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Montag, 11. Februar 2013

Tetra Pak innoviert den Kartonschlauchverschluss


(Wanna) Während der Pathfinder in weiter Ferne mit wissenschaftlicher Neugier durch den Staub des Mars schnüffelt, scheut sich die Menschheit nicht auch mehr praktische Erkenntnisse zu entwickeln und in die Tat umzusetzen. Die Firma Tetra Pak, bekannt für eine beschichtete Kartonverpackung, hat eine Erneuerung auf den Markt gebracht die ihres Gleichen suchen muss.
Im Jahre 1951 wurde die Verpackungsform von Wallenberg, Järund, und Torudd erfunden. Nicht das Triumvirat dieser Erfinden standen Pate für den Namen, sondern die als Tetraeder geformte Verpackung selbst. Es handelte sich um einen Kartonschlauch der jeweils um 90 Grad gedreht, die Naht verschweisst wurde und somit die Form ergabt. Das Problem der Getränkeverpackungen bestand vor allem in der Öffnung. Zuvor wurden z.B. Milch im Schlauch verpackt der einen Becher benötigte um den angeschnittenen Schlauch im Kühlschrank aufzubewahren. Tetra Pak löste die Öffnung in dem eine perforierte Kante/Ecke abgerissen wurde. Später kam dann ein Drehverschluss an den Getränkekarton.
Der Drehverschluss ist uns Verbrauchern bestens seit Jahrzehnten bekannt. Auch bekannt sind die Problemchen die wir damit haben. Der Drehverschluss ist nicht immer vorhanden, sondern im Supermarkt irgend wo im Kühlregal versickert. Über die Jahre hat es verschiedene Nippel und Ringe gegeben die in geschätzten 40 Prozent der Fälle abrissen. Ein Messer, eine Zange oder sonst ein Werkzeug war und ist noch heute erforderlich um den Verschluss dann zu öffnen. Dazu kam noch, dass die Öffnung so klein gewählt war, dass es beim zügigen Ausgiessen immer blubberte, und der Saft, die Milch oder der Wein überall hin spritzte, vor allem auch dahin wo es nicht sollte.
Das ist nun ein Fall aus der Vergangenheit. Nach nur ca. 62 Jahren der Produktentwicklung ist es Superhirnen gelungen eine halbwegs probate Lösung zu finden. Der Durchmesser des Schraubverschlusses ist grösser geworden. Welch ein Erfolg, Triumph des forschenden kreativen Geistes. Und ein weiteres Problem ist gleich noch mit gelöst worden. Beim ausgießen aus den ehm. kleinen Schraubverschlüssen kleckerte man unweigerlich weil der Verschluss nicht nah genug am Rand eingebaut war. Auch dieses Problem gehört nun der Geschichte an. In doppelter Weise wurde hier eine Veränderung vorgenommen. Der Schraubverschluss ist deutlich dichter am Rand und die obere Fläche der Verpackung ist geneigt. Dadurch gibt es so gut wie kein Gekleckere mehr.
Warum muss darüber nun berichtet werden? Weil eine so kleine, ja, fast lächerliche Entwicklung 62 Jahre gedauert hat. Wozu gibt es denn überhaupt Forschung und Produktentwicklung, wenn nicht dafür wie wir Menschen einen leichteren Umgang in unserem alltäglichem Leben erhalten? Welche Weltraumforschung ist notwendig damit wir Erkenntnisse bekommen um eine Milchverpackung zu produzieren die wir problemlos öffnen und daraus gießen können? Es kann auch sein, dass niemand in einer Firma die mit 8,8 Milliarden Euro Jahresumsatz für Verpackungen sorgt, ein echtes Interesse daran hat, wie der Verbraucher diese simple Anwendung bekommt. Jetzt noch Mal 60 Jahre damit der Nippel nicht mehr abreißt?

Samstag, 9. Februar 2013

Kunst 35 + Kunst vis a´ vis


Eröffnung Kunst vis a´ vis
(Bremerhaven) In einem ehm. „Schlecker-Markt“ eröffneten gestern Abend Conny Wischhusen, Steffen Liebsch und Godehard Pollakowski ihre Ausstellung „Kunst vis a´vis“ als Auftaktveranstaltung der Ausstellungsreihe „Kunst 35“. Der 250qm große Laden wurde den Künstlern auf Iniitiative von Godehard Pollakowski vom Stadtteilmanager Thomas Ventzke zur Verfügung gestellt. Und so sind es wieder einmal mehr die Kunstschaffenden, die dem Leerstand vieler Ladenlokale in der Seestadt Bremerhaven etwas entgegen stellen. Nachdem jahrelang die Einkaufsquellen in die Randgebiete verlagert wurden und die Stadtväter, selbst nach mehr als 10 Jahren, keine alternative Lösungen für die Verödung der Stadtzentren entwickelten. Die Eröffnung zog viele Kunstinteressierte aus Bremerhaven und der näheren Region an.
Arbeiten von Conny Wischhusen vor geneigtem Publikum
Conny Wischhusen die eine beachtliche Anzahl von Ausstellungen, Kunstaktionen und Projekten in ihrer Vita verzeichnen kann stellte ihre Arbeiten, Weckrufen gleich, in bekannter gesellschaftskritischer Manier aus. Der Schwerpunkt liegt dabei auf die Versprechen die der Kundschaft durch Werbung vorgegaukelt werden. Z.B. Gutscheine, Rabatte, Coupons die einen Heiland auf Erden in Aussicht stellen aber durch eine Reihe von Einschränkungen negiert und wertlos gemacht werden. Wer hätte nicht schon einen Gutschein über 500€ bekommen der aber nur eingelöst werden kann in einer bestimmten Zeit und wenn man Ware im Wert von 3000€ kauft. Und wie gerne fallen wir darauf herein? Um dazu zu gehören? Um uns nichts entgehen zu lassen?
Gänzlich anderer Natur sind da die Bilder von Steffen Liebsch. Er widmet sich ganz der Aktdarstellung gemalt im Stil „a la prima“ (also ohne weitere Bearbeitung). Seine Großformate sprechen den Betrachter durch die ausdrucksstarke Pinselführung und Farbgestaltung auf emotionaler Ebene an. In einer Reihe kleiner Zeichnungen betont er die fließenden, organischen Konturlinien und hebt damit die Sinnlichkeit der Form hervor. Die Körper sind „So“, und das „Sosein“ ist ein Ausdruck vergleichsloser Schönheit, einer Würde die „tatsächlich“ unantastbar ist.
Die abstrakte Kunstposition in den Techniken Holzschnitt, Linolschnitt, Lithographie, Siebdruck so wie Mischtechnik wird von Godehard Pollakowski ausgestellt. Die gegenstandslosen Bilder mögen beim Betrachter ein kreatives Potential wecken, so der berechtigte Wunsch des Künstlers. Komponiert aus Linien, Muster, Strukturen, amorphe Flächen und sparsam eingesetzte Farben entstehen bei ihm statisch und/oder dynamisch geordnete Einheiten. Es ist ein spielerischer Umgang mit dem Rationalen, eine Vereinigung von Ratio und Intuition in einem ausgewogenem Nebeneinander und Miteinander.
Die drei Kunstpositionen stehen sich gegenüber und bilden auch Gemeinsamkeiten. So findet man in allen Arbeiten die Präsents von Demut und Achtung vor dem Leben. Ihre Arbeiten entstehen in einer beständigen Vertiefung mit Thema und/oder Technik. Die Drei forschen in die Tiefe, machen Erfahrungen, transformieren und erscheinen mit neuer Erkenntnis für unsere Welt wieder im Tageslicht. Die Besucher der Ausstellung dürfen sich dazu eingeladen fühlen Smartphone und Fernbedienung für einen Moment der Kunstkonfrontation auszuschalten.
Ort: Schillerstraße 35 in Bremerhaven-Geestemünde. Die Ausstellung ist geöffnet Fr. und Sa. von 15h bis 18h und So. von 11h bis 18h bis einschließlich 24.02.2013. Die Künstler sind zu diesen Zeiten anwesend.

Mittwoch, 6. Februar 2013

Inszenierung aus dem Elfenbeinturm versickert in Konzept und Theorie


Ulrich Gadau, Mira Tscherne, Sebastian Zumpe, Martin Bringmann, Michael Stumper
(Bremerhaven) Tolle Band, engagierte Schauspieler, ungewöhnlicher Spielort, dünne Story, bunte Farben, schwache Regie und reserviertes Publikum. So knapp könnte man es abtun. In der Alten Mensa der Hochschule Bremerhaven spielte vor ausverkauftem Haus das Stadttheater Bremerhaven „Fleisch ist mein Gemüse“ von Heinz Strunk.
Beginnen wir beim Publikum. Es ist immer wieder ein Rätsel wie die Norddeutschen reagieren. Während der Vorstellung gibt es bei einigen recht platten Witzen Gelächter. Wenn es zum Klatschen, Schunkeln, Chorsprechen animiert wird, macht es auch mit. Doch im Grunde ist es zurückhaltend, schaut nach einer Stunde auf die Uhr und grinst ehr müde als begeistert. Doch dann der Schlussapplaus: Nichtendenwollende Ovation, vereinzelte Zugabenrufe, aber es reicht nicht aus um jemanden von der Bank zu reißen. Es ist als wollten sie nun endlich die Beteiligung erleben die wie ein unausgesprochenes Versprechen im Raum hing, und auf der Bühne nicht eingelöst wurde. Das Publikum fordert seinen Tribut anstatt die Unterhaltung zu würdigen. Auch applaudieren will gelernt sein. Es ist eine qualifizierte „Gefällt mir“ Äusserung die es nur bei Life-Auftritten gibt. Ein kulturell vorbildlich erzogenes Publikum würde diesen einen Moment nutzen um ein Urteil zu fällen. Es könnte die Spreu vom Weizen unterscheiden und Buhrufe gezielt setzen, oder über eine ganze Reihe von Zwischenstufen in frenetischem Toben das Spiel mit der Bestnote auszeichnen. Doch in diesem Fall kann es nicht entscheiden, weil es das bekommt was man ihm berechtigt zumutet - banalen Trash.
Das Buch von Heinz Strunk „Fleisch ist mein Gemüse“ ist mit mäßigem Erfolg verkauft worden. Es zählt keinesfalls zur Literatur. Es kommt nicht annähernd an die Erfolge von Dora Held, Hera Lind, David Safier etc. heran. Die Geschichte hat einen Ausschlag von 1,3 auf der nach oben offenen Gefühls- und Werteskala. Die Gefühle eines früh bis spät Pubertierenden sind sicherlich wert besprochen zu werden. Das will niemand abstreiten. Aber sie einfach nur als Kulisse zur Selbstdarstellung heranzuziehen ist denkwürdig bis überflüssig. Schlimmer ist allerdings, dass der kulturell bestgefördertste Betrieb in der Stadt die schwache Story lediglich nachspielt. Wo ist der künstlerische Anspruch dieses Theaters? Wo war die Regie während der Inszenierung, Tim Egloff? Jedes Amateurtheater hat es begriffen, dass man nichts aus der Dritten Reihe sieht wenn auf gleicher Ebene gespielt wird. Wenn die gesungenen Texte mit Band-Begleitung etwas zum Stück beitragen, dann muss man technisch dafür sorgen das man irgend etwas davon versteht. Abgesehen von der Mutter (Sascha Maria Icks) und der Nachbarin Rosemarie (Kika Schmitz) sind die Charaktere ehr dürftig gezeichnet. Die Nebenrollen sind plakativ, ist okay, aber wie wenig scharf gezeichnet ist Heinz Strunk (Sebastian Zumpe) die Hauptfigur. Und das liegt nicht an Zumpe, das ist ein Resultat einer Nichtinszenierung. Statt dessen findet man einen ganzen Blumenstrauß Nebelkerzen: Ein Raum, wie für ein original Schützenfest dekoriert ist, nette bunte Lichterkette, Girlanden, Bierbänke (anderthalb Stunden Rückenqual) gut einstudierte Szenenwechsel, darauf geachtet, dass die Schauspieler auch immer schön brav in alle Richtungen sprechen, die Band setzt immer dann ein wenn die Spannung abfallen könnte. Das ist keine Regie, sondern spieltechnische Koordination.
Es ist auch Mal ein Gedanke an den, oder die Spielorte, geboten. Wenn ich es richtig verstehe, dann geht das Theater in den öffentlichen Raum um Theater vom verstaubtem Image zu befreien und es dem jüngeren Publikum schmackhaft zu machen. Der alte Trick wie in „Chinatown“ (kommt das Wasser nicht nach L.A., dann kommt L.A. zum Wasser; kommt das Publikum nicht ins…). Doch welche Qualität wird da ausquartiert? Etwa diese Pro-7-Niveau-Unterhaltung? Oder denken wir einmal zurück an die vernichtenden Kommentare im Gästebuch vom Pferdestall zum „Momo“. Auch Eldorado im ehm. Naber Hotel hat eine starke Ablehnung hervorgerufen neben den Lobgesängen einiger Zuschauer/Teilnehmer. Diese Schritte nach aussen wirken verkrampft, nachgemacht, leidenschaftslos, improvisiert; anstatt professionell und von hohem künstlerischem Wert.
Und dann ist da dieses Schauspiel Ensemble. Da ist Potential vorhanden, das noch lange nicht ausgereizt ist. Sebastian Zumpe spielt Saxophon, Andreas Heinrich Kerbs Posaune, das erleichtert die Besetzung enorm. Zumpe zeigte welche Ausdrucksmöglichkeiten er neben Schreien (Verbrennungen) noch so drauf hat, alle Achtung! Sascha Maria Icks kann mit ihrer Gesangstimme etwas erzählen, sie erreicht die Menschen im Herzen. Kika Schmitz als übergewichtige Nachbarin zeigte eine schauspielerische Höchstleistung. Auch die anderen sind motiviert und mit vollem Einsatz dabei. Und doch scheinen sie alle zu schwimmen, irgend wie in der Luft zu hängen, weil niemand sie zusammen geführt hat. Sie füllen die Konzepte eines anderen aus, und das gekonnt und mit Herzblut. Aber es sind eben nur Konzepte, Theorien, herunter gewunken aus dem Elfenbeinturm, und noch dazu oberflächlich und zusammengebastelt. Gerettet wird der Abend von der Band: Jan-Hendrik Ehler (Keyboards), Michael Stumper (Gitarre, Gesang), Ulrich Gadau (Bass, Gesang) und Joachim Remus (Schlagzeug). Die Musik macht Stimmung - keine Haken keine Oesen, gute Auswahl, animierend, Kniewippen, klatschbegeisternd. Einfach toll.
Mein Urteil lautet nicht vernichtend, es ist ein Ausdruck der Enttäuschung wie wenig künstlerischer Anspruch mit dem vorhandenem Potential umgesetzt wird. Wer nichts besonders oder neues erwartet und schon Mal 90 Minuten auf einer Bierbank sitzen möchte, kann es sich gerne anschauen. Eine weitere Egloff Inszenierung brauche ich erstmal nicht, soviel steht mal fest. Nächste Vorstellungen sind am 10., 19., 22., 27. sowie noch weitere im März 2013.

Montag, 4. Februar 2013

Faszination des Fremden - Zen-Gärten fotografiert


Umschlagsbild
(Wanna) In vielen Parks sind kleine Inseln japanischer Zen-Gärten angelegt. Es ist eine gänzlich andere Gartenbaukunst die ein geschultes Verständnis von der Natur voraussetzt und zu einem Naturerlebnis leitet, dass den Betrachter transformieren kann. Die Anlagen sind bis ins kleinste Detail gestaltet, basierend auf der Philosophie der östlichen Denkweisen. Die Kenntnis über Pflanzen, Steine, Gewässer dienen der Gestaltung von Landschaften - komponiert für den Lauf durch die Jahreszeiten. Oder: Ein Zen-Garten ist die kunstvolle Rekonstruktion der Natur durch Menschenhand.
Als Mensch, der in der westlichen Hemisphäre aufgewachsen und kulturell geprägt wurde, ist es nahezu unmöglich die Kunst der Zen-Gärten zu erfahren. Der Interessierte muss sich mit der Kultur Japans und dem Zen zumindest grundsätzlich beschäftigen. Denn ein Zen-Garten ist weder schön noch sauber angelegt oder gepflegt. Die Anlagen sind wachsende lebendige Bilder, deren Wandel durch die Jahre vorbestimmt und gepflegt wird. Nichts ist dem Zufall überlassen, und doch scheint es natürlich oder „zufällig“ zu wachsen.
Die Deutsche Verlags-Anstalt hat im vergangenem Jahr den Bildband „Der japanische Garten“ von Helena Attlee mit Fotografien von Alex Ramsay herausgebracht. ISBN 978-3-421-03840-1 Preis 49,99€. Nach einer Einführung von Attlee in der die historische Entwicklung der japanischen Gartenkunst beschrieben wird folgen die Vorstellungen von 28 Garten-Anlagen in Japan. Die 100 Fotografien von Ramsay sind überragende Kunstwerke die den westlich geprägten Menschen einen Einblick in die fremde Gartenwelt Japans ebnen. Er hat es verstanden die atemberaubende Schönheit „…des wabi-sabi, die Lehre von der Wertschätzung des Unvollkommenen…“ in seinen Fotografien einzufangen. Überall findet man die Dynamik von Entstehung, Dauer und Verfall. Die Freude über eine Knospe steht in Eintracht neben dem Verlauf eines Lebens mit seinen Eindrücken und Verformungen bis hin zum Verfall, dem unausweichlichen Tod. Schönheit in der Sinfonie dieses Dreiklangs ist exemplarisch bereits auf dem Umschlagsbild zu sehen. Die Blätter der Kirschblüten sind vom Baum abgefallen und sterben im Wasser das ständig in Bewegung ist. Während Attlee eine geschichtliche Beschreibung der einzelnen Gärten gibt fügt Ramsay Ansichten und meditative Aufnahmen hinzu.
Gartenfreunde und Liebhaber östlicher Kulturen werden eine helle Freude an diesem Band empfinden. Es ist darüber hinaus eine Inspiration für Gartengestalter, gerade in den Winter Monaten in denen man sich hierzulande auf die eigene Gartenarbeit einstimmt.

Sonntag, 3. Februar 2013

Trinkwasserrechteregulierung Europa


(Wanna) Mit der neuen Regelung der Rechte über Trinkwasser in Europa sind weitreichende Veränderungen zu erwarten. Ein Gut aus der Natur, das Niemandem besonders gehört, kann nicht produziert werden. Dadurch entstehen komplexe Rechtsverordnungen.
Angenommen die Privatisierung der Trinkwasserversorgung würde sich durchsetzen, und davon muss man wohl nach Portugal in allen europäischen Staaten ausgehen, dann muss auch geregelt werden, wo und wie die privaten Versorger das nasse Gut produzieren. Wasser ist dann kein Allgemeingut mehr. Da Wasser nicht produziert werden kann, eine bestimmte Menge Wasser befindet sich immer im physikalischen Kreislauf, ist es notwendig die Verfügbarkeit von Wasser zu regeln. Ich stelle es mir so vor: Der Niederschlag in jeder denkbaren Form muss den privaten Versorgern kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Dies ist natürlich eine Bringschuld. Hausbesitzer müssen dafür sorgen, dass ihr Oberflächenwasser nicht im Boden versickern kann, sondern durch die Kanalisation den privaten Versorgern zugeführt wird. Schnee und Eis müssen vor Ort eingeschmolzen werden. Um die Niederschläge aufzufangen können sie z.B. ihren Garten betonieren und äquivalent zur Dachabdichtung versiegeln. Zur Bewässerung ihrer Topfpflanzen können sie dann im Gegenzug Trinkwasser der Versorger beziehen. Wasser, das durch Kochen von Tee, Kaffee und anderen Heißgetränken sowie bei der Zubereitung von gegarten Speisen verdampft ,muss durch Kondensierungsschirme aufgefangen und abgeleitet werden. Die Klärung von Schmutzwasser obliegt selbstverständlich beim Verursacher. Jeder Bundesbürger, der in welcher Form auch immer, trinkbares Wasser verunreinigt muss eine ausreichend leistungsstarke Kläranlage betreiben. Ein gutes Mittel die Eigenverantwortlichkeit der Bürger für ihre Umwelt zu stärken!?!? Spucke, Schweiss und Tränen, der Trauer oder Freude (die dann wohl kaum noch zu erwarten ist), sowie Rotz aus der Nase sind mit geeigneten Textilien aufzufangen und durch Verdampfung und Klärung durch die eigenen Kläranlage gereinigt abzugeben. Das könnte das Ende von Papiertaschentüchern sein. Regenschirme werden verboten, weil sie das Wasser nur auf einen Umweg zum privaten Versorger leiten.
Öffentliche Brunnen werden abgeschaltet, Regenwassersammelanlagen, wie sie in jüngerer Vergangenheit zunehmend häufig gebaut wurden, müssen dann still gelegt werden. Die Rückhaltung durch Bunkerung von Trinkwasser durch Kanisterisierung in Behältern mit mehr als 0,5 Liter Fassungsvermögen wird verboten, und kann mit Freiheitsentzug geahndet werden. Der Eigenverbrauch wird nur dann genehmigt wenn der Verbraucher ein gewerblicher privater Versorger ist.
Über die Qualität muss dann nicht mehr diskutiert werden. Denn wenn private Unternehmen zum Zuge kommen gilt sowieso das Motto „sauf oder stirb“. Das triff natürlich vor allem diejenigen die nicht in der Lage sind den 4-fachen Preis für Wasser zu zahlen. Die Neuregulierung mit Privatisierungsdruck aus Europa ist ein weiteres Armutszeugnis der Europäischen Einheit. Es ist eine subtile Wirtschaftsförderung obwohl dafür kein Bedarf besteht. Es sei denn Raffgier könne ein Bedarf sein.

Montag, 21. Januar 2013

Halleluja - Es ist geschafft


(Niedersachsen) Nach einem atemberaubenden Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den Schwarz-Gelb und Rot-Grün eingefärbten Parteien, bei dem eine nicht unbedeutende Anzahl Bundesbürger den sehnlichsten Wunsch hegten die FDP möge bei 4,99% stecken bleiben, konnten sich die Machtgelüste der konservativen und freien Regierungsanwärter nicht erfüllen. Der Souverän hat anders entschieden. Trotz wahlstrategischer Leihstimmen, säbelrasselnder Partei-Brüderle und Teppichminister, in Wohnzimmern werbenden Sozialisten und Pädagogen mit echtem Programm, Ex-DDRler, Freibeutern sowie sonstigen Splitterparteien, trotz aller Bemühungen hat der Wähler ein sauknappes Ergebnis gezaubert. Doch nun stellt sich die Frage: Was bekommen die Wähler für ihre Stimmen?
Wird die Energiewende kostengünstiger? Wird diese unsägliche Firma Tennet endlich aus dem Job geschmissen? Wird Gorleben endlich als Endlager ad acta gelegt? Wird die Bildung im Land gravierend verbessert? Wird nun radikal Schluss gemacht mit Korruption? Wird endlich der Bundesregierung der Marsch geblasen? Wohl kaum! Denn nach der Wahl ist vor der Wahl. Geht es jetzt nicht viel mehr darum den Wähler so zu manipulieren damit er im Herbst „richtig“ wählt?
Nach der Regierungsübergabe im Februar brauchen wir ein Transparenzmeter. „Ein was???“ Ein Transparenzmeter, ein Messgerät welches täglich anzeigt was die gewählten Volksvertreter tun und erreichen. Es zeigt nicht nur die endlosen Hohlphrasen in Debattierklubs bei denen nichts als heiße Luft entsteht. Es zeigt nicht ausschließlich die wortreichen Entschuldigungen warum man etwas nicht entscheiden kann oder warum die Wirtschaft immer so gut abschneidet während der Pöbel noch seinen letzten Cent durchbeißt. Nein, das Transparenzmeter zeigt vor allem welche Maßnahmen zu welchen Erfolgen führen. Wie viel leeres Stroh muss gedroschen werden bis z.B. die Studiengebühren abgeschafft sind? „Anpacken. Besser machen“ Das wollen wir sehen. Einen deutlichen Unterschied wollen wir sehen. Etwas das den Wechsel wert war. Etwas das die Menschen wieder inkludiert die durch Schwarz-Gelb aus dem gesellschaftlichen Leben herausgefallen sind.

Samstag, 19. Januar 2013

Freunde, welche Freunde


(Wanna) Mit dem Wandel von Auge-zu-Auge-Beziehungen zu flüchtigen, virtuellen Kontakten bekommt die Bezeichnung Freunde einen anderen Stellenwert. Das Wort ist geblieben und die Bedeutung wurde ausgeweitet, was man vor einigen Jahrzehnten noch als verständliche Größe voraus setzte ist heute ein völlig schwammiger Begriff. Es ist übrigens nicht Mark Zuckerberg dem wir diesen Umstand zu verdanken haben, wir selbst haben diesen kulturellen Wandel vollzogen. Es ist eine dumme Angewohnheit alles immer gleich mit Jemands Schuld zu etikettieren. Manchmal ist es besser auf die eigenen Schuhe zu schauen um sich ein sinnvolles Urteil zu bilden.
Was macht Freunde aus? Als Jugendlicher bin ich in ein Haus eingebrochen und habe dort mit meinem Freund ein bisschen Vandalismus betrieben. Wir haben aus purer Neugier ein kleines Chaos hinterlassen und einen Kassettenrecorder gestohlen. Mein Freund hat bis heute dicht gehalten. Ich hatte einen anderen Freund mit dem ich alle intimen Erlebnisse und Ängste besprach. Er war mir eine Stütze, ein Halt und ein blind zu vertrauender Ratgeber. Ich hatte Freunde mit denen ich Reisen unternahm. Ich habe ihnen nicht mein ganzes Leben erzählt, aber für die Zeit der Reise konnten wir uns vertrauen und aufeinander verlassen. Ich war in Freundinnen wahnsinnig verliebt, sehr verliebt, verliebt, hatte Freundinnen die ich ganz nett fand und mit denen ich eine schöne (kurze) Zeit verbrachte. Es gibt Brieffreundschaften zwischen Menschen die sich nie gesehen haben. Es gibt Freundschaften unter Geschäftspartnern und politische Freundschaften, Männerfreundschaften und Freundschaften von Frau zu Frau. Es gibt noch viele andere Freundschaften, Beziehungen von Mensch zu Mensch die auf der Basis von Vertrauen beruhen.
Seit einiger Zeit, nicht erst seit es soziale Netzwerke gibt, werden Freundschaften wesentlich inflationärer gehandhabt. Das mag am Sprachwandel durch Amerikanismen liegen in dem man einen Bekannten leichtfertig als Freund bezeichnet um nicht so unpersönlich zu klingen. In unserem allgemeinen Sprachgebrauch ist die eigene Wertung, welches Verhältnis wir zu den als Freund oder Freundin bezeichneten Personen haben, zurückgewichen. Wir nehmen alles etwas leichter, sind im Stress, nehmen uns nicht die Zeit genau hinzuschauen. Ein Erlebnis jagt das nächste, wir sind immer schon beim nächsten Schritt ohne den vorherigen ganz auszuführen. Damit verzichten wir auf die Bewertung auf was wir uns einlassen, und auf die Reflektion was uns unser aktuelles Handeln für die Zukunft lehren könnte. Wir alle sind Richard Campbell.
Dann erst tauchte Zuckerberg auf. Freund wurde nun der fast schon zynische Begriff von Bekanntschaften zwischen Leuten die keine Freundschaften haben, oder neidisch sind auf die sozialen Fähigkeiten ihrer Mitmenschen. Die Frage auf Facebook, ob diese oder jene Person evtl. eine Freundin oder ein Freund von mir sei, ist völlig lächerlich. So viele Daten werden über mich im Internet gesammelt, und dann bring es Zuckerberg nicht fertig meine real existierenden Freunde ausfindig zu machen?!? Das ist ein schlechter Witz. Die Bezeichnung Freund ist in den sozialen Netzwerken ein Synonym für eine gänzlich unpersönliche Bekanntschaft. Es ist absurd zu denken eine auf Facebook bezeichnete Verbindung als Freundschaft zu deuten.
Bleibt zu klären was ist heute eine Freundschaft. Es ist noch immer das was sie immer war: Genau das was wir darin sehen. Man kann vielleicht sagen, dass Freundschaft ein um eine weitere Ebene erweiterter Begriff ist. Erweitert um eine Stufe noch lockerer Verbindungen mit noch weniger Vertrauen. Im Sinne von Verständigung und Kommunikation sollten wir in unserem Sprachgebrauch nun auch klären welcher Art eine Freundschaft ist. Dann können unsere Gegenüber erkennen in welchem Zusammenhang wir die Bezeichnung Freund verwenden. Dann müssen wir auch nicht mehr süffisant über die große Anzahl Freunde lächeln, die wir in den sozialen Netzwerken und im realen Leben sammeln.