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Sonntag, 30. Oktober 2011
Inszenierung im "piccolo" setzt neue Massstäbe

(Bremerhaven) Zuhause lautet der Titel von drei Frauenmonologen die am 29.10.2011 im „piccolo teatro haventheater“ Premiere hatten. Heike Eulitz zeigt in kraftvoll gespielten Rollen drei recht unterschiedliche Frauentypen. Mit dieser Inszenierung und diesem Schauspiel wird ein Massstab für Bremerhavens Theaterlandschaft gesetzt.
Roberto Widmer, Intendant des „piccolo teatro haventheater“, kokettiert gerne damit ein Boulevard Theater zu leiten. Das Gegenteil hat er nun wiederholt bewiesen. Die Auswahl der Stücke die bisher gezeigt wurden sind von hohem Niveau. Sie sind immer nah an dem was die Menschen in dieser Stadt betrifft, und werden immer in einer anspruchsvollen Inszenierung gezeigt. In diesem Fall sehen wir die Regie von Angelika Zacek. Der erste Blick auf´s Bühnenbild verrät, dass hier mit sorgfältiger Hand gearbeitet wurde. Respekt vor der Aussage sowie Hingabe und Würde in der Darstellung müssen die Wertepfeiler gewesen sein. Der Bühnenraum ist mit frischer schwarzer Farbe gestrichen. Der Raum erscheint wie für dieses Stück und für dieses Publikum hergerichtet. In der Mitte ein Teppich der vor einer Papierwand endet. Rechts und links ein Umzugskarton, ein Stuhl und ein Requisit. Viel mehr Material werden wir nicht sehen. Das Stück lebt von der ausdrucksstarken Sprache der Autorin Ingrid Lausund, und vom energetischen und konzentrierten Spiel Heike Eulitzs.
Die erste Frauengestalt persifliert den oberflächlichen Typ. Nach Erich Fromm ist das die Habefrau. Sie hat dies und das, welches sie nur mit merkantilen Wertungen benennen kann. So zeigt sie den 10.000€ und die 18.300€ und macht es sich am Ende vor dem 16.500€ bequem und legt noch ein 100€ oder zwei nach. Obwohl alle Gegenstände von diesem Typ nur in Eurobeträgen genannt werden ist immer klar wovon sie spricht. Amüsant mit einem Zwinkern im Auge umgesetzt kann sich der eine oder andere dabei ertappten selbst in diesen Kategorien schon öfters gedacht zu haben. Aber hier kommt noch hinzu das es eine Frau ist die es spielt und eine Frau die es inszeniert hat was eine Frau über Frauen geschrieben hat. Das gibt der Aussage eine entwaffnende Note. Welcher Männerklub würde schon so freizügig über seine Laster schwadronieren. Ist es eine weibliche Stärke Dinge zur Sprache zu bringen, die für sie selbst unangenehm sind?
Die zweite Frauengestalt ist die große Leistung von Heike Eulitz. Sie spielt eine Tochter in einer kleinen Plattenbauwohnung. Sie ist Kellnerin, so Mitte 30 nahe ihrem Zenit. Hat sie in Karl, dem Mittelmäßigen, ihr großes Glück gefunden, oder ist es an der Zeit sich zu entschließen wie der Rest des Lebens aussehen soll/muss? Über die Jahre und vieler Umzüge begleitet sie ein Gemälde aus der Hinterlassenschaft ihrer Familie: „Das jüngste Gericht“. Das dicke Packpapier hat einen Riss bekommen und gibt den Blick auf die Posaunen frei. Aus diesen Posaunen sprechen nun die Stimmen der Vergangenheit zu ihr. Vor allem ist da ihre Mutter. Für viele Töchter die beladenste Beziehung im Leben überhaupt. Überall gibt sie einen Kommentar dazu, und meistens in verletzender Kritik. Ist da ein Kampf zwischen Töchter und Mütter, in dem die Mütter von ihren Töchtern erwarten sie würden all das leben was sie selbst nicht hinbekommen haben? Und umgekehrt, ist da die überspannte Selbsterwartung den Wünschen der Mütter gerecht zu werden um nicht als gescheiterte Frau dazustehen? Die Autorin hat hier intensiven Blick in die weibliche Seele genommen und diesen Blick in klaren Worten umgesetzt. Zu dem im Geist geführten Disput mit der Mutter gesellen sich noch andere Stimmen. Nebenstimmen oder -Charaktere die die Argumentationskette der Mutter unterstreichen oder aus der Tochtersicht untermauern. Ein in Gedanken geführter Dialog ist ein Monolog, ein Kreislauf, ein Teufelskreis. Da kann sie noch so viele Stimmen bemühen: Der Kunstprofessor, die Therapeutin, Jean-Pierre der Geliebte und Galerist, Che, Johannes der Täufer, Schwester Augusta, der Heilend, der Erzengel und, und, und. Bei dieser Frauenfigur läuft Heike Eulitz zur Hochform auf. Der ganze Bühnenraum ist voller Gestalten, dem Zwiegespräch der Stimmen ist leicht zu folgen und man kann in die tieferen Ebenen der Darstellung einsinken. Das ist Theater auf hohem Niveau, das ist komplexe Kommunikation kunstvoll mit theatralen Mitteln klar verständlich erzählt. Mit einem lang und anerkennenden Beifall wurde sie in die Pause entlassen. Für einen Moment schien das Publikum nicht mehr zu erwarten bis es das Intermezzo erkannte. Alle Achtung für diesen Erfolg schon auf halben Weg!
Nach der Pause die dritte Frauengestalt. Sie kommt herein mit einem Tee-Tablett. Glücklicherweise ist in ihrem Monolog nur noch die türkische Putzhilfe und deren Tochter von dramatischem Belang. Denn diese Frau will es allen recht machen. Sie findet auch für alles eine Rechtfertigung ihrer Meinung, welche sie wie eine Fahne in den Wind hängt. Sie ist in der Seele aalglatt, gertenbiegsam, verständnisvoll und einfühlsam wie eine 17fach erleuchtete Buddha. Sie ist der Typ der sich jeder Anforderung zu stellen glaubt und irgend wann Krebs bekommt. Sie ist die Frau ohne einen Funken Persönlichkeit, die sich soweit zurück nimmt bis sie nur noch Schimmer und Schein präsumtiver Erwartungen ist. Sie ist die gesicherte Einnahmequelle der Psychotherapeuten, die Luftschlösser baut und sich so sehr damit identifiziert, dass Realität für sie zur Fiktion wird.
Diese drei Frauengestalten gehen unter die Haut. Heike Eulitz spielt mit Dynamik und Energie. Manchmal geht diese Kraft zu Lasten der feineren Mimik. Und wenn ich hier auch eine große Anerkennung ausspreche bleibt zu wünschen, dass sich die Gestalten in der poetischen Tiefe deutlicher von einander unterscheiden würden. Das bewegte und begeisterte Publikum zollte die Premiere mit einem schier nicht enden wollendem Applaus und forderte die Schauspielerin mehrmals zur Verbeugung auf die Bühne. Wenn man eine Ahnung davon bekommen möchte was Frauenpower sei, so sollte man unbedingt eine Vorstellung besuchen.
Weitere Vorstellungen im „piccolo teatro haventeater“ am Sa. 5.11., Fr. 11.11., Sa. 19.11., Fr. 2.12., Fr. 9.12. und So. 18.12.2011 Kartenvorverkauf unter 0471-4838 777.
Mittwoch, 14. September 2011
Kleinstzeitung
Jetzt ist es soweit. Ab morgen liegt in Bremerhaven und umzu eine Kleinstzeitung aus. Die Kultur-News sind kostenlos mitzunehmen. Hier gibt es eine jpg-Datei um die Zeitung auch im Internet zu lesen. Wer die Kultur-News abonnieren will zahlt für drei reguläre und zwei ausserplanmäßige Ausgaben pro Jahr 10,00EUR in Bar. Die aktuellen Ausgaben werde ich dann jeweils zusenden. Ich wünsche euch allen eine interessante Lektüre.
Samstag, 3. September 2011
Neuigkeiten kommen bald
Die kulturellen Aktivitäten vieler erfahrener Künstler und Kulturschaffender in Bremerhaven und dem Landkreis Cuxhaven verdienen eine bessere Aufmerksamkeit. Die eine Regionalzeitung mit ihren zahlreichen Satelitenblättern steht im Zwang der Leserschaft die Informationen zu bieten die den Anzeigenverkauf optimieren. So gesehen verkümmert der freie Journalismus zum Mainstream-Kolporteur. Das ist eine Entwicklung die vielen Menschen Informationen vorenthält die für eine vielfältige Berichterstattung nötig sind. Man sollte nicht glauben das die Welt in der wir leben so schlicht und sich ständig wiederholend ist, wie es der wirtschaftlich orientierte Journalismus darstellt.
Der Verlag (eigene werte) wird einen kleinen Beitrag dazu beisteuern die kulturelle Berichterstattung aufzuwerten. Am 15. September erscheint die erste Ausgabe einer Kleinstzeitung: die "Kultur-News". Das Blatt wird kostenlos an den bekannten Stellen wo man die Flyer für kulturelle Veranstaltungen findet verteilt. Und natürlich gibt es eine JPEG-Ausgabe auf dieser Seite. Ihr dürft gespannt sein.
Der Verlag (eigene werte) wird einen kleinen Beitrag dazu beisteuern die kulturelle Berichterstattung aufzuwerten. Am 15. September erscheint die erste Ausgabe einer Kleinstzeitung: die "Kultur-News". Das Blatt wird kostenlos an den bekannten Stellen wo man die Flyer für kulturelle Veranstaltungen findet verteilt. Und natürlich gibt es eine JPEG-Ausgabe auf dieser Seite. Ihr dürft gespannt sein.
Samstag, 30. Juli 2011
Heartliners findet stets neue Fans!
Rezension aus Lust (Lesbische und Schwule Themen) eine Vierteljahreszeitschrift.
107. Ausgabe Sommer 2011, Seite 34 von Joachim Schönert
Der Roman Heartliners über eine Zombieromanverfilmung verbindet eine böse Satire auf den Landestheatermief mit Zitaten aus der Glamourwelt der Bis(s) Romane.
Größenwahn gepaart mit Unfähigkeit hat Methode und das vom Portier bis zum Intendanten. So könnte eine kurze Zusammenfassung des Teils von „heartliners“ lauten, der am Theater Dinkelsbühl spielt. Die Autorin Edda Klepp arbeitet selbst als Regieassistentin und Regisseurin, sie weiß also wohl, wovon sie spricht.
Nicht wirklich entscheidend anders geht es in den Augen der Autorin in der großen Welt des Films zu. Regisseur Gigi hat sich die Rechte zur Verfilmung des Zombiebestsellers „Deadliners“ gesichert und setzt diese nun mit Hilfe seiner Assistentin Betty, seiner Tochter Julia und wenig Geld in die Tat um. Die „Deadliners Trilogie“ ist Klepps literarisches Alter Ego der „Biss - Romane“ von Stephanie Meyer. Die Bis(s) belesene Tochter des Rezensenten konnte einzelne der beschriebenen Filmszenen mühelos als Bis(s) Zitate identifizieren. Und sogar der Rezensent hatte es bemerkt, obwohl er, außer von einer Katze, noch nie einen Biss in der Hand hatte, sonst hätte er die Tochter ja nicht gefragt.
Inhalt: Richard Löning, seines Zeichens vom Bühnenarbeiter zum Nebendarsteller aufgerückter Mitarbeiter des Theaters Dinkelsbühl, fliegt zu einem Casting nach London, wo er den Roy aus der „Deadliners Trilogie“ geben soll. In seiner Begleitung, neben einer großen Verunsicherung und Flugangst, ein „im doppelten Sinne eingebildetes Frettchen“. Es existiert nämlich einerseits nur in Richards Phantasie und konfrontiert ihn andererseits mit unangenehmen Wahrheiten aus seinem Inneren.
Richard hat nicht nur mit seinem psychischen Innenleben zu kämpfen, sondern über große Teile des Romans auch mit seinem Verdauungstrakt. Letzteres führt dazu, dass er sich bei seiner späteren Filmpartnerin Julia einführt, indem er ihr ins Dekolleté kotzt. Das Kotzen und die mangelnde Körperhygiene ist ein Leitmotiv, das die Figur Richard Löning durch den Roman begleitet
Der Film wird ein Erfolg, Richard Löning zum Star. Dem Starruhm und seinen unangenehmen Konsequenzen ist er als Landei aus Dinkelsbühl auf Dauer nicht gewachsen. Er möchte lieber mit seiner Filmpartnerin Julia Kinder in die Welt setzen und in Ruhe leben. So weit der im Internet gefundene Werbetext.
Na ja, ein witzig gemachter Heten-Roman, was uns nicht schreckt. Einfallsreiche Aufmachung. Wer sich darauf einlässt, wird aus dem Kichern und Schmunzeln nicht mehr rauskommen.
Mittwoch, 29. Juni 2011
Edda in Northeim
Edda hat anstrengende Tage. Nachdem sie in Münster auf dem kleinen Bühnenboden gelesen hatte in Begleitung einer flotten Band, stand sie mit mir auf der MinipressenMesse in Mainz einige Tage am Lesepult und hat eine erste Einlage beim Poetry Slam gegeben. Doch schon wenige Tage später war sie in Northeim in der Buchhandlung Papierus und gab eine weitere Lesung. Und jetzt kommt es: Es sind weitere Lesungen geplant. Bald vielleicht auch in deiner Nähe.
Sonntag, 12. Juni 2011
Nachschau auf die Mainzer Minipressen Messe
Für Buchliebhaber ein Mekka! So könnte die Unter-Überschrift lauten. Ich hatte als Aussteller leider nicht die Zeit alles mit Ruhe zu betrachten was angeboten wurde. Aber ich habe einige Verlage gesehen die so wunderschöne Kunstbücher ausstellten, dass ich am liebsten sofort mein nicht vorhandenes Vermögen ausgegeben hätte. Über schöne Bücher zu seltenen Ausgaben und Themen die in großen Verlagen keine Chance haben; Kunstkarten, Notizbücher, Nippes und Dönjes – eben alles was man so als Liebhaber haptischer Literaturerlebnisse haben will. Dazu gab es ein informatives Rahmenprogramm und Unterhaltung. Schade das die Messe nur alle zwei Jahre in Mainz stattfindet. Und auch nur in Mainz. In Leipzig ist doch auch eine Buchmesse neben der in Frankfurt. Es könnte der Wunsch aufkommen, dass sich Kulturinteressierte und -engagierte in Berlin oder München zu einen eben solchen Wagnis hinreißen liessen. Hier gibt es nun noch ein Paar Eindrücke die vor meinem Stand eingefangen wurden.
© by Edda Klepp
Bücherberge am ersten Tag. Viel einzupacken gab es am letzten Tag nicht mehr.
© by Edda Klepp
Reges Interesse für die Neuerscheinung "Heartliners" von Edda Klepp.
© by Friedo Stucke
Die angehende Bestseller Autorin mit ihrem Erstlingswerk.
© by Friedo Stucke
Edda, Julia und Richard
© by Friedo Stucke
Edda´s erster Poetry Slam! Und es gab noch viele kleine Lesungen mit ihr im Zelt.
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