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Freitag, 22. Juni 2012

„Callas“ von Reinhild Hoffmann - der Kunst ein Vivat!


(Bremen) Der Bühnenraum des Theater Bremen ist mit einem blutroten schweren Vorhang im Hintergrund, einem weichgemustertem Teppich und einer verkürzten Sitzreihe (als einziges Möbel) ausgestattet. Rechts und links vom Vorhang sind Türen für die jeweiligen Auftritte in einer schwarzen Wand. Mit dieser universalen und elementaren Opernbild-Ausstattung ist ein trefflicher Ort geschaffen (Bühne Johannes Schütz) für den Tanzabend „Callas“, Tanztheater von Reinhild Hoffmann. In dem Stück, das am 16. Juni 2012 Premiere hatte, wird keine Biographie und doch viel mehr als das der Maria Callas gezeigt.
Angenommen man könne Theater in Ebenen künstlerischen Ausdrucks aufteilen, dann gibt es das Amateurtheater welches aus einer lokalen Gemeinschaft entsteht und diese unterhält. Es gibt dann professionelles Theater das in der freien Szene und in den Stadt- und Staatstheatern solides Schauspiel-Handwerk bietet und überregional wirkt. Und dann gibt es noch die Ebene des künstlerischen Ausdrucks, die mit einer universalen Sprache Kommunikation und Reflektion grenzenlos und interkulturell in die Herzen und Seelen der Menschen spielt. Auf dieser Ebene darf man Künstler wie Maria Callas ansiedeln. Wenn es nun gilt das Leben der Callas darzustellen, dann muss man den schmalen Pfad finden der die Künstlergestalt zeigt. Das ist Reinhild Hoffmann vortrefflich geglückt. Die Essenz der Callas ist die Stimme und der Ausdruck für die jeweiligen Frauen aus den Opern: Norma, Leonora, Lakmé, Ophelia, Madame Butterfly, Gilda, Tosca. Die gesungene Sprache dringt durch die Sängerin und spricht doch von allen Frauen die mit ähnlichen Schicksalen konfrontiert sind, zu allen Frauen (und Männern) die mit sensiblen Herzen und sensibler Seele nachempfinden. Es ist eine hohe Kunst dieses Paradox zu kreieren wenn eine Person wie alle Personen spricht, singt, lebt. Um dieser Kunstform zu entsprechen müssen die Künstler einen Schritt zurücktreten und die Rollen und Charaktere im Vordergrund wirken lassen. Sie müssen ihr Leben dafür geben, dass künstlerische Werkzeug, ihren Körper, täglich zu trainieren, um in besonderer Durchlässigkeit bereit zu sein. Vielleicht ist das die Geburt der Diva. Vielleicht ist Diva die Daseinsform die einer Künstlerin bleibt wenn sie ihr gesamtes Leben der Kunst verschreibt, wenn sie mit der Stimme aller für alle singt.
In mehreren Bildern wird der „La Divina“ entsprochen. Zu Beginn drängt sie sich durch die Reihen um einen Platz zu finden. Es ist Verehrung die man ihr entgegen bringt um ihr Platz zu machen. Es ist die Verehrung für die Person die so viele andere spielte, der man mit Bewunderung, Dankbarkeit und Respekt begegnet. Zu Recht - denn genau das ist es auch was „La Divina“ sich selbst abfordert. In einem späteren Bild färbt sie ihre Schuhe mit Blut ein und beschreitet damit den Weg der steinigen Karriere. Star zu sein ist kein Zucker schlecken. Denn zu der täglichen Vorbereitung auf die Rollen kommt nun noch die Heuschrecken der Presse, die skandalgeilen Paparazzi, die Geifer sabbernden Klatschkolummnisten und dem Profit gierigen Management zu entsprechen oder besser zu entkommen. Wer als Star das Bad in der Menge sucht, spielt sicher nicht in der Liga der Callas.
Eine ganz andere Herausforderung ist es Maria Callas zu thematisieren und künstlerisch angemessen aufzutreten. Das Tanztheater Bremen hat hier eine überzeugende Darbietung gegeben. Ein Hauch der Opernwelt des 19. Jh. wehte durchs Theater, einzelne Gesten ließen den Atem stocken, echte Mimik die Spiel in Realität verwandelte.
„Callas“ ist auch eine Herausforderung fürs Publikum. So eingängig die Bilder auch choreographiert sein mögen, es bedarf ein waches und interessiertes Publikum um den künstlerischen Genuss voll auszuschöpfen. Theater ist nun mal der vitale Dialog zwischen Darsteller und Zuschauer, und „Callas“ ist eine anspruchsvolle Unterhaltung die die handwerkliche Ebene weit übersteigt.
Weitere Aufführungen in dieser Spielzeit sind am Mittwoch 27. Juni 18:00, Freitag 29. Juni um 19:30, Dienstag 03. Juli und Donnerstag 05. Juli um 19:30, Sonntag 08. Juli um 18:00. Am Freitag dem 13. Juli um 19:30 gibt es die Abschiedsvorstellung für Tänzerinnen und Tänzer aus dem Ensemble: Vladislav Bondarenko, Tomas Bünger, Héloise Fournier, Tim Gerhards, Mimi Jeong, Sunju Kim, Jae Won Oh, Robert Przybyl, Magali Sander Fett, Frauke Scharf und Miroslaw Zydowicz.

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