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Montag, 25. Mai 2015

Programm-highlights im Schnürschuh Theaterhaus HB

Tschick © Schnürschuh Theaterhaus
(Bremen) Hier einige Programmhinweise auf Vorstellungen im Schnürschuh Theaterhaus im Buntentorsteinweg 145 in Bremen bis Mitte Juni.

Inflagranti - Sommer, Sonne, Gute Laune sind Geschichten, die im Sommer passiert sind oder geschehen können. Folgen sie der Sonne in ihrem Herzen und nehmen sie Gute Laune mit nach Hause! Ein Vorgeschmack auf die kommenden Ferien. Da glüht das Urlauberherz. Bei dieser Show dürfen die Zuschauer mit Rosen und nassen Schwämmen werfen. Am Di. 05.05.15 um 20.00 Uhr

Tschick - nach dem Roman von Wolfgang Herrndorf
Es gibt sie tatsächlich: die sprichwörtliche Walachei. Dorthin unterwegs: zwei Jungs, beide aus verschiedenen Gründen Außenseiter, beide 14 Jahre alt. Der Eine: Tschick, eigentlich Andrej Tschichatschow. Ein russischer Migrant, klug, aber schweigsam im Unterricht, erscheint schon mal alkoholisiert in der Schule. Der Andere: Maik Klingenberg, wohlstandsverwahrlost, kein Spitzname. Und hoffnungslos verliebt in Tatjana Cosic, die „super“ aussieht. Vater nahezu bankrotter Geschäftsmann mit Geliebter, Mutter zwischen Entzugsklinik und Tennisplatz lebend. 
Maik und Tschick werden zu Beginn der Sommerferien als einzige nicht zum Geburtstag der Klassenschönsten Tatjana eingeladen. Das verbindet. Dann steht Tschick mit einem geklauten, nein, geliehenen, schrottreifen Lada vor der Tür. Mit Geld und Auto brechen die beiden kaum Fünfzehnjährigen auf, zu einer Fahrt in Blaue. Und damit beginnt eine Reise ohne Karte und Kompass durch die sommerglühende deutsche Provinz. 
Regie: Christoph Jacobi. Es spielen: Susanne Baum, Mathias Hilbig, Pascal Makowka, Holger Spengler an den folgenden Terminen:
Mi. 03.06.15 10.00 Uhr
Do. 04.06.15 10.00 Uhr und 19.00 Uhr
Sa. 20.06.15 20.00 Uhr
Mi. 24.05.15 10.00 Uhr
Do. 25.06.15 10.00 Uhr

SpamFilter - So sieht es aus ?! 
Zum zweiten Mal begrüßen wir SpamFilter, die Jugendkabarettgruppe des Schnürschuh unter der Leitung von Anna Hilbig, auf der Bühne! Wer wissen möchte, wie unsere Jugend tickt, sollte dieses Feuerwerk aus Trash, Kabarett und Comedy nicht verpassen. In unterschiedlichen Szenen präsentiert die bunte Truppe das Zerrbild ihrer/unserer Wirklichkeit. Schwarzer Humor trifft auf harmlose Alltäglichkeit, Anarchie auf gesellschaftliche Normen; da muss man schon zwischen Lachen und Weinen unterscheiden können.  „So sieht es aus ?!“  ist eine Feststellung, die resignativ, verwundert, oder kämpferisch auf Veränderung drängend gemacht werden kann. Das Fragezeichen steht für den Zweifel, eben für die Fragen: Ist es wirklich so? Oder eben nicht ?
Sa. 06.06., So. 07.06. und So. 14.06.15 jeweils um 19.00  Uhr

Karten: HIER

Sonntag, 24. Mai 2015

Geschichte einer Tigerin - Lichthof Theater HH

@ Philipp Hamedl
(Hamburg) Angenommen, Theater sei der Ort an dem Geschichten erzählt werden, die mehr benennen, hintergründiger ausloten und eine universellere Relevanz haben als das auslösende Erlebnis, und angenommen, eine solche Darbietung könnte die Zuschauer/Zuhörer auf eine Weise erreichen, dass sie mit Freude partizipieren an dem was ihnen geboten wird, dann hat Nanzikambe Arts / Theater Konstanz dieses Ziel mit The Story of a Tiger voll und ganz erreicht.

Nur ein Mann kommt auf die Bühne. Einziges Requisit ist ein aus Pappmaché geformter Fels, ein Element, das den leergefegten Bühnenraum in eine potentielle Wildnis verwandelt. Mbene Mbunga Mwambene schöpft nun aus einem reichen Repertoire darstellerischen Fähigkeiten. Er spricht auf ganz persönliche, fast private, Art zu und mit dem Publikum. Es dauert nicht lang, bis er hat es geschafft hat den norddeutsch reservierten Menschenschlag aus der Reserve zu locken. Er trägt mit knappen in englischer Sprache gefassten Worten die Geschichte vor. Wie er als Opfer mit einer Schusswunde von einer Demonstration verletzt in den Dschungel flieht und in einer Höhle unterschlüpft. Dort von einer Tigerin mit deren Nachwuchs geheilt wird und Freundschaft schließt, und schließlich diese Freundschaft sich in der Zivilisation fortsetzt und auswirkt. Jeder der ein paar Brocken Englisch versteht kann dieser Geschichte verfolgen. Den Mbene Mbunga Mwambene verbindet seine eindeutige Körpersprache mit dem gesprochenem Wort, er kommuniziert mit allen Sinnen. Die darüber hinaus gehende Komik in der Geschichte ist nicht nur durch die gekonnte Darstellung begründet; Das Stück „The Story of a Tiger“ ist die englische Version nach Dario Fo - Geschichte einer Tigerin.

In dem 75 Minuten dauerndem Spiel gibt es nur wenige Lichtwechsel und nicht eine einzige Toneinspielung. Dennoch verfolgten die Zuschauer mit großer Spannung jede Einzelheit von Tragik, Komik, Intimität, Angst, Staatsterror, Wut und Hoffnung. Von Lachsalven bis zu betroffenem zuhören erreichte Mbene Mbunga Mwambene jede Nuance. Ob er mit seiner Stimme einen Russischen Bauern nachahmte oder einen italienischen Tenor, ob Pantomime, Modern Dance oder Persiflage von Popsongs - er spielt reduziert auf das Wesentliche in einer klaren Bildsprache. Dieser Abend gehört zu den wenigen Erlebnissen im Theater, die man wie einen Schatz ein Leben lang mit sich trägt und davon zerrt.


Die nächsten Vorstellungen sind am Di. 26. Mai um 15:00 Honigfabrik, Industriestr. 125-131, in Hamburg, Fr. 29. Mai um 19:30 Jahrmarktstheater, Bostelwiebeck 24 in Altenmedingen, und am Sa. 30. Mai um 20:00 theaterSchlachthof, Findorffstr. 51 in Bremen.

Samstag, 23. Mai 2015

friendly fire erforscht Zooropa

(Oldenburg) Alle Bereiche unseres Lebens sind bestimmt von wirtschaftlichen Interessen. Von Tourismusforschung die unsere Freizeit bestimmt bis zum social freezing mit der unsere Planung von Karriere und Fortpflanzung reguliert wird. Seltsam, dass es einen Bereich gibt der eine so geringe Aufmerksamkeit in der Forschung genießt wie die Kreativität auf der Bühne. Diesem Missstand stellt das Theater wrede+ in Oldenburg seit fünf Jahren ein Programm entgegen: flausen+ young artists in residence. Dreimal im Jahr können junge Theater Ensembles für einen Zeitraum von vier Wochen im Theater wrede+  forschen. Forschen bedeutet dabei Wege zu beschreiten die nicht unmittelbar zu einem wirtschaftlichem Erfolg führen müssen. Dieser Freiraum ist so bitter nötig im Theater, wo seit einigen Jahren der Rotstift über jede Inszenierung wie ein Damoklesschwert baumelt. Egal ob es die Freien Theater oder die Staatstheater sind, es sind, von wenigen Ausnahmen einmal abgesehen, immer die ökonomischen Zwänge die die künstlerischen bestimmen. Da stellt sich die Frage wie sich die Kultur in einem Land wie der BRD entwickelt, entwickeln sollte, und sich bereits entwickelt hat!?

Am Dienstag war im Theater wrede+ in der Klävemannstraße 16 das 15. making of von flausen+. Die internationale Gruppe friendly fire aus Leipzig mit Melanie Albrecht, Helena Wölfel, Isabel Soares und Michael Wehren. stellten mit dem Titel „Zooropa - Safari Park Oldenburg Jetzt!“ ihre Forschung vor. Die Gruppe hatte sich intensiv mit der Zooarchitektur beschäftigt, mit dem Leben der Tiere und wie die Menschen den Lebensraum Zoo betreiben und besuchen. In dem making of wurde das Publikum mit einem Wechsel der eigenen Blickrichtung konfrontiert. Angenommen der Mensch würde mit den Augen von Tieren auf DAS MENSCH schauen der sich in seinem „nachgestaltetem“ Lebensraum bewegt, z.B. der Stadt in der erlebt. Oldenburg ein Zoo für DAS MENSCH. Bei der Performance die im Theater begann wurden die Zuschauer auf den zoologischen Lebensraum mit einem Video, Textprojektionen, Tierstimmenkullisse bei Dunkelheit und einem zoologischen Regelwerk eingestimmt. Anschließend führten die Akteure das Publikum in zwei Gruppen in den natürlichen Lebensraum von DAS MENSCH. Eine Gruppe machte einen walk über den Bahnhof, die andere zu einer Brache hinter dem Cinemaxx. Bei diesen walks, die wie eine Führung durch einen fremden Lebensraum angelegt waren, erreichten die Beteiligten eine neue reflektierende Sicht - auf den Zoo den sie täglich durchschreiten. Anschließend wurden die Gruppen wieder zusammengeführt zu einem austauschenden Gespräch. 

In dem Austausch erzählten die Zuschauer ihre Eindrücke und weiterführenden Gedanken. Die Akteure von friendly fire konnten noch ergänzend über ihre Arbeit sprechen und Einblick in Hintergründe öffnen. Da es eine Arbeit im Prozess ist konnten auch weitere Fragen angesprochen werden, die die weitere Arbeit von friendly fire begleiten wird. Offensichtlich besteht ein Interesse sich in dieser Form auch öffentlich mit Fragen des Theaters zu beschäftigen. In einer sachlichen und beflügelnden Gesprächsrunde, die in englisch und deutsch verlief, zeigte sich eine intensive Beteiligung. Man darf auf das nächste making of im Theater wrede+ sehr gespannt sein. flausen

Montag, 18. Mai 2015

Schwundregion gab Gastspiel in HH

(Hamburg) Schwundregion ist da wo die Generation Arthritis von der Smart-Phone-Generation zurück gelassen wird. Die verödeten Landstriche bieten sich dann den spekulativen Gen-Mais-Industrieellem Anbaufläche für ihre Experimente mit nicht zugelassenem Saatgut. Das Jahrmarkttheater aus Bostelwiebeck zeigte mit „Stadt Land Wurst“ im Lichthof  Theater eine Komödie vom Land die sowohl kritisch wie amüsant ist.

Wo liegt den Bostelwiebeck, gibt es den Ort überhaupt oder ist der Name erfunden? Nein, das Dorf ist real. Man findet es in der Region in der eine Gesellschaftskritik mit Trecker-Blockaden ausgedrückt wird; dem Wendland. Was man andernorts als schwarzen Humor bezeichnet, ist dort schon Mal gewöhnlicher Umgangston. Und diesen Ton hat Thomas Matschoß wunderbar eingefangen, als er die Komödie schrieb. Es ist eine Mischung aus Ohnsorg-Theater und Schmidt-Show vom Hamburger Kiez. In Bostelwiebeck spielte das Ensemble bereits 35 mal vor ausverkauftem Haus. Die Landkomödie ins Lichthof verpflanzt, wurde dort von den Hamburgern mit Begeisterung aufgenommen, auch wenn nicht jeder Gag für die Städter eingängig war.

Valentina-Sophia hat von ihrem Onkel Wanja einen Bauernhof geerbt. Trotz - oder eben wegen - Navi verfährt sie sich und bleibt im Torf stecken. Bernie der letzte Jungspund und designierter Nachfolger der familiären Dorfschlachterei wird aufgefordert sie abzuschleppen. Erst das Auto und dann sie. Doch für Valentina-Sophia braucht er die gesamte Komödie um sich über viele Umwege, Enttäuschungen und Missverständnisse an sie heranzupirschen. Neben dieser kurvenreichen Liebesgeschichte kommen so nach und nach die Geschichten vom Dorf dazu: Nicht zugelassenes Saatgut für Genmais, Homosexualität, vegane Ernährung, industriell-monokulturelle Landwirtschaft und natürlich die Land/Stadtflucht. Bestechend scharf gezeichnet sind die Charaktere und faszinierend die Wandlungsfähigkeit der Darsteller. Unbedingt hervorzuheben ist da Tahere Nikkhoyemehrdad als Oma Elli, im nächsten Augenblick der Inder mit dem Saatgut oder als Babs vom Lande. Mit kleinen Filmen, die original für die Inszenierung aufgenommen wurden, wird die Komödie aus der Fantasie herausgehoben und in einen realen aktuellen Rahmen gesetzt, ohne an Witz einzubüssen.


Dieses Gute-Laune-Theater macht Appetit auf das Sommertheater in Wettenbostel vom 6. bis 12. Juni und 30. July bis 30. August, das vom Jahrmarkttheater organisiert wird. Dann wird es auch ein bisschen ernsthafter mit „Hamlet, ein Mordspiel“, „Schwein oder Nichtschwein“ oder der one-man-one-family-show „Familien Quartett. Übrigands: Wettenbostel liegt in der Nähe von Bostelwiebeck. Also unbedingt Navi mitnehmen! Jahrmarkttheater

Sonntag, 17. Mai 2015

Prunk und Pleite der Nordwolle Bremen

(Bremen) Unternehmenspleiten können ganze Volkswirtschaften ins Wanken bringen - 1931 löste der Konkurs der Brüder Lahusen eine Bankenkrise aus und spitzte die Weltwirtschaftskrise zu. Der Prozess gegen die beiden Brüder wegen Veruntreuung und Bilanzfälschung warf ein Schlaglicht auf einen beispiellosen Filz von Wirtschaft und Politik. Bis heute sind viele Fragen rund um den Konkurs nicht beantwortet. Zum ersten Mal beschreibt die Lesung auch den Weg G.C. Lahusens nach seiner Haftentlassung. 1941 stand er wieder vor Gericht, dieses Mal in Berlin.

Prunk und Pleite einer Unternehmerdynastie - über den Konkurs der Nordwolle und die Folgen, zeigt die Bremer Shakespeare Company in einer Szenischen Lesung mit Peter Lüchinger, Michael Meyer, Petra-Janina Schultz u.a.. Die Premiere ist am Dienstag, 19. Mai um 19:30 im Theater am Leibnizplatz, Schulstr. 26. Die Lesung entstand in Kooperation zwischen der Uni Bremen und der Bremer Shakespeare Company in der Reihe „Aus den Akten auf die Bühne“. Die Originaldokumente bilden einen der größten Wirtschaftsskandale der absterbenden Weimarer Republik ab.


Weitere Termine: 29. Mai, 04., 09. und 22. Juni, und 01. July im Theater am Leibnizplatz, so wie am 02. July in der Nordwolle Delmenhorst, jeweils um 19:30

Freitag, 15. Mai 2015

Tanz und Puppe gegen das Vergessen

Ausencia @ Marianne Menke
(Bremen) Im Abendprogramm zeigt das kleine feine Theater in der Schildstr. 21, Mensch,Puppe! die Uraufführung Ausencia / Abwesenheit. Eine Kombination von Figurentheater und Tanz um ein Thema dessen Aktualität nicht vergehen will und kann.

Menschen verschwinden als Teil der hilflosen Herrschaftsbemühungen Argentiniens Militärdiktatur von 1976 bis 1983. Spurlos aus dem Weg geschafft wurden nahezu 30.000 Menschen / Familienmitglieder. Die Angehörigen bekamen keine Nachricht über den Verbleib der Verschwundenen. Staatsterror geht Hand in Hand mit Lügen, Ungewissheit und willkürlicher Bestrafung nach kruder Rechtsauffassung. Parallelen zu aktuellen Zuständen an vielen Orten auf der Erde sind leicht und in großer Zahl zu finden. Mit der Inszenierung von Mensch, Puppe! Ausencia / Abwesenheit kommt vor allem die sprachlose Ohnmacht der betroffen Zurückgebliebenen in Fokus.

Leere Stühle auf denen die Abwesenden sitzen, ein Klavier, das für die entfernten Verwandten spielt, ein Tänzer (Tomas Bünger auch Choreografie) der vergeblich, sehnsüchtig, verzweifelt und verstört versucht mit den nicht Anwesenden in Kontakt zu treten. All das trägt ästhetisch die Beklemmung der Zurückgebliebenen. Das ist das Leiden, dass die Staatsmächte statt regieren anwenden - gnadenlose Kontrolle! Es ist ein Zeichen von Schwäche, wenn Staatsmacht (demokratisch oder diktatorisch) kontrolliert und mit Gesetzen Ordnung zu erzwingen versucht. Die Reaktion in Argentinien war und ist beeindruckend stark und simple. Die Angehörigen erkennen selbst nach 40 Jahren nicht an, dass die spurlos verschwundenen tot sind. Sie werden es so lange nicht anerkennen, bis ihnen die Körper zurück gegeben werden. In der Inszenierung tritt der leibhaftige Tod auf. Er ist der ungesehene Partner einer ganzen Generation mit dem man spielt, den man ignoriert, dessen konkrete Anwesenheit aber unvermeidlich immer präsent ist. Der doppelbödige Dialog mit dem Tod und den Abwesenden wird durch die experimentelle Musik von Alexander Seemann hervorgehoben. Klänge wandeln unhörbare Worte in Dialoge, und Bünger kehrt das Innere physisch hervor - lässt damit die Abwesenden für einen zarten Hauch der Nähe aus der Vergangenheit auftauchen.


Ausencia / Abwesenheit wird im Figurentheater Mensch, Puppe! im Abendprogramm wieder am 29. Mai um 20:00 gezeigt. Durch die Verbindung von Tanz und Puppenspiel und der im Spiel integrierten Musik, entsteht eine Zwischenwelt von Angst, Verlust, Terror und Hoffnung, die dem Vergessen den Spiegel hinhält. MENSCH, PUPPE!

Dienstag, 12. Mai 2015

Frisch aus Berlin

Dominik Halmer © by Bernd Borchardt
(Oldenburg) Das Stadtmuseum Oldenburg ermöglicht diesen Sommer mit „FRISCH aus Berlin“ Einblicke in eine besondere Sammlung. Die Ausstellung ist vom 14. Juni bis 30. August zu sehen und zeigt Gemälde, Papierarbeiten, Zeichnungen und Skulpturen aus den Jahren 1958 bis 2014 aus der Sammlung von Dr. Harald und Kornelia Frisch aus Berlin. „Diese Ausstellung vereint über 50 Jahre Sammler-Leidenschaft“, sagt Museumsdirektor und Kurator Dr. Friedrich Scheele und verrät, was den Besucher erwarten wird: „Expressiver Farbrausch auf der einen, unterkühlter, gesellschaftskritisch geprägter, eher sachlicher Stil auf der anderen Seite – beide Darstellungsformen deuten die gestalterische Vielfalt eines Handlungsstranges, einer Exposition an, die einer echten Entdeckung oder einer Wieder-Entdeckung nahekommt, je nachdem von welcher Seite man schaut.“
Die Frischs, um die es hier geht, sind keine Unbekannten in der Berliner Kunstlandschaft, da sie als Sammler seit über vier Jahrzehnten aktiv sind und auch bis 2013 für einige Jahre eine eigene Kunsthalle in Berlin – hinter dem Hamburger Bahnhof – betrieben. In den frühen siebziger Jahren fiel die Entscheidung, originale Kunst zu sammeln und Künstlerbegegnungen zu suchen, um zu einem tieferen Verständnis der Kunstwerke zu kommen. Natürlich stehen dabei Berliner Künstler am Anfang, wie die Namen von Bernd Koberling, Karl- Heinz Hödicke, Eugen Schönebeck oder Walter Stöhrer anzeigen. Frühe Ergänzungen sind mit C.O. Paeffgen, Michael Buthe, Rainer Fetting, Helmut Middendorf oder Salome verknüpft. Ebenso sind Hartwig Ebersbach und Dietrich Lusici Chronisten einer besonderen gesellschaftskritischen deutschen Befindlichkeit. Thomas Hartmann, Anton Henning, Wolfram Sachs oder Miram Vlaming stehen als Vertreter der Landschaftsmalerei für sog. Zeit-Sinnbilder, während z.B. Albert Pümpel, Bernd Schwarting oder Heinrich Stichter Sonderpositionen bieten.
Aktuelle Künstlerinnen und Künstler wie Martin Assig, Armin Boehm, Anton Hennig, Valerie Favre und Thomas Zipp haben die Frischs bereits vor einigen Jahren in ihre Sammlung aufgenommen. Diese heute bereits etablierten Positionen – neben nicht minder akzeptierten, sehr differenzierten Perspektiven wie die von Gama, Dominik Halmer oder Thomas Helbig – stehen für eine je sehr eigene Bildanalyse und Weltbetrachtung: die Begeisterung für tiefere Absurditäten und Grotesken, für eine inhaltliche und formale Auseinandersetzung mit einer essentiellen Problematik, nämlich der Wiederspiegelung von Welt(en).
Insgesamt präsentiert die Auswahl zur Ausstellung mehr als 30 Positionen von namhaften und weniger bekannten Künstlerinnen und Künstlern, die sich mit der malerischen Erfassung von Welt, der bildlichen


Beschreibung des jeweiligen Weltentwurfs, dem Imaginären, Symbolischen und Surrealen beschäftigen. Die Frischs sprechen gern von einem Dialog mit konsequent glaubwürdigen Künstlerinnen und Künstlern. Immer appellieren ihre Künstler mit traumhaften Bildwelten an tiefer liegende Bewusstseinsschichten des Menschen. Irreale Bildräume, aberwitzige Visionen kennzeichnen zum einen die phantastische Malerei. Zum anderen sind gegenständliche Bilder mit politisch gesellschaftskritischen Inhalten ebenso zu sehen wie Themen der „Stadt-Land-Mensch-Beziehung“. Die von Künstlerfreundschaften und inhaltlicher Neugier geprägte Sammelleidenschaft und mithin auch Zeitzeugenschaft ist bemerkenswert, da sie unweigerlich ihre eigene Kunstgeschichte schreibt. Zur Vision ihrer Sammlung sagen die Frischs: „Immer noch mit frischem neugierigen Blick Kunst sammeln!“