Inh. Friedo Stucke, Kastanienbogen 8 in 21776 Wanna  eigene.werte@t-online.de

Samstag, 20. September 2014

Grafik im Bremer Schlachthof

(Bremen) Seit dem 07.09.2014 kann man die Drucke unter dem Titel „Geschnitten und gedruckt“ von Conny Wischhusen und Godehard Pollakowski in der Gaststätte des Kulturzentrums Schlachthof in Bremen betrachten. Die Ausstellung dauert noch bis 31.10.2014

Zur Eröffnung sprach der ehemalige Kunsterzieher und Freund, Steffen Liebsch, einige erklärende und einführende Worte. „Geschnitten“ bezieht sich bei den Arbeiten der beiden Künstler nicht nur auf die mechanische Einwirkung auf das material des jeweiligen Druckstocks, sondern auch im übertragenden Sinn auf den Druckvorgang. In der Serie „Blaue Frauen“ sind stilisierte Frauenfiguren mit einem Hinweis auf ein bestimmtes Rollenbild auf Geschenkpapier gedruckt. In einer weiteren Serie, „Drunter und drüber“ druckte Wischhusen auf transparentem Papier und überlagert einzelne Ausschnitte aus älteren Werken. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch die experimentelle Weise mit Material und Inhalten aus.

Deutlich größere Formate entstehen bei Pollakowski. Ob es die collageartigen Drucke sind oder abstrakte, es ist immer eine Flut von Eindrücken, Ebenen, Formen und Strukturen die in ausgewogener Komposition zusammengeführt sind. Das Ungegenständliche komponiert er aus Werbeprospekten, die er zerschneidet und zu einem neuen Bildmotiv zusammenfügt, wobei die einzelnen Elemente zum reinen Element der Bildgestaltung werden. „Gegenständliche Assoziationen können sich beim Betrachten der Bilder bisweilen einstellen, sind aber nicht entscheidend, wichtiger ist, ob die gefundenen Formen und ihre kompositorische Zusammenstellung den Betrachter in ihren Bann zu ziehen vermögen“ so Steffen Liebsch in seiner Einführung.

Sonntag, 14. September 2014

Kunst bei die Fische in Beverstedtermühlen

v.l.n.r. Reiner Madena, Hilke Sens, Jens Schnepel, Steffen Liebsch,
Godehard Pollakowski, Lutz Graaf, Annemarie Arndt, Frank
Wassmann und Sandra Juras
(Beverstedt) Man kann von einem echten Geheimtipp sprechen, wenn man über die Galerie Beverstedtermühlen berichtet. Selbst viele der ausstellenden Künstler, die bei der Eröffnung am Samstag anwesend waren, kannten die Galerie nicht und waren zum ersten Mal dort. Dabei ist sie ganz einfach zu finden. In Beverstedt fährt man von Bremerhaven kommend Richtung Stubben. Nach der Volksbank führt links die zweite Straße zur Galerie. Man folgt der Straße, bis kurz vor dem Ortsausgangsschild auf der rechten Seite die alleinstehende alte Wassermühle steht. Über eine Aussentreppe gelangt man in einen ca. 80m2 großen rechteckigen Raum mit Holzbalkendecken und Dielenboden. Die Wände sind weiß gekalkte Backsteine mit kleinen Fenstern. Ein freundlicher heller Raum, ideal für Kunstausstellungen.

„Kunst bei die Fische“ sind manuelle Grafiken von 13 Künstlerinnen und Künstler aus der Region um Bremerhaven. Initiator Godehard Pollakowski fand vor einiger Zeit zwei Wesermünder Fischkochbücher aus den 20er Jahren. Die Rezepte dieser Sammlungen gaben die Grundlage für die verschiedenen Druckwerke. Die 13 beteiligten Künstlerinnen und Künstler wählten ein Rezept aus, kochten es nach und wandelten es passend für die heutigen Gegebenheiten ab. Aus dieser Inspiration entwickelten sie dann die Drucke. Dabei entstanden Linol- und Holzschnitte, Fotografien, Siebdruck und weitere experimentelle Technik. Die einzelnen Blätter sind in einer kunstvoll gestalteten Mappe mit den dazu gehörigen Rezepten, im Buchdruck von Michael Jakobs, zu erwerben. Neben den Grafiken der Mappe sind noch weitere Werke in der Ausstellung zu sehen.

Drucke mit reichlich passenden Häppchen
Zur Eröffnung sprach der Galerist Hartwig Struckmeyer einige einführende Worte. Dabei wies er daraufhin, dass diese grafische Kunst nicht darin bestehe die Werke zu deuten, sondern Farben, Formen und Linien immer wieder neu zu gestalten. Die vielfältige Umsetzung der gemeinsamen Aufgabenstellung zeigt das hohe künstlerische Niveau der Beteiligten.


Das Eröffnungsprogramm wurde mit einem Lied von Schubert (Die Forelle), gesungen von Kerstin Harms zur Klavierbegleitung von Hans Olberg abgerundet. Die Galerie ist Sonntags von 15:00 bis 18:00 und nach telefonischer Vereinbarung (Tel.: 04747-1392) geöffnet. Die Ausstellung ist noch bis 12.10.2014 zu sehen. Seite der Galerie Beverstedtermühlen

Dienstag, 5. August 2014

„BILDUNG FÜR RITA“ oder „Ich hatte eine Wahl. Und ich habe mich gewählt.“

Von Hilke Leu
Rita und Frank im Dialog mit Literatur
(Stotel) An einem sommerlichen Sonntagabend füllt sich zur besten bundesrepublikanischen „Crime-Time“ das „Sommer-Theater“ in der Alten Schule in Stotel. Mehr und mehr Zuschauer betreten die ehemalige Schulaula, suchen sich einen Platz und werfen einen Blick auf das Bühnenbild.  Da alsbald entspanntes Gemurmel den Raum füllt, liegt der Schluss nahe, dass ihnen das, was sie dort sehen, vertraut scheint: ein gemütliches Sofa zum Lümmeln und Lesen, ein Tisch zum Schreiben und konzentrierten Arbeiten, etwas Kunst an der Wand und: sta-pel-wei-se Bücher.
Hier begegnen wir Frank, Professor im besten Alter, der die bittere Erkenntnis, doch nicht zum glamourösen Dichter zu taugen, mit Whiskey hinunter zu spülen versucht und vor sich hin grummelnd auf den nächsten Studenten wartet, der ihn seine Brötchen in der Erwachsenenbildung verdienen lässt.
Und dann kommt er, nein: sie, nämlich Rita! Sie betritt nicht nur die Bühne, pardon:  den Raum, sie füllt ihn sofort aus, mit innerer wie äußerer Bewegung, mit Unmengen dahergeplapperter Fragen. Mit ihrem Anspruch: „Na, weil ich es doch wissen will!“ „Was?“ „Alles!“
Friedo Stucke als Frank
Frank scheint zunächst hilflos im Umgang mit so viel Energie und mit einer Gedanken- und Alltagswelt, mit der er offensichtlich bislang wenig Kontakt hatte. Und so tastet er sich heran - an Rita und ihr Leben. Gemeinsam begegnen wir nun einer überaus lebendigen 26-Jährigen, die keineswegs stutzt, dass man sie „Friseuse“ nennt, die im Frisiersalon auf sogenannte „gebildete Menschen“ trifft, die sie hasst, und der bereits in der Schulzeit klar war, dass sie, hätte sie schon damals mehr wissen wollen, aus dem gewohnten Rahmen hätte ausbrechen müssen.
Und dann staunt der Zuschauer. Rita plappert nämlich keineswegs nur so dahin. Es sprudelt, es sprudelt all das aus ihr heraus, das sie, bislang auf sich allein gestellt, in ihrem Kopf und Herzen bewegt hat. Sie hinterfragt die „Qualitäten des Lebens“ und dass es da „so viel Ablenkendes“ gäbe. Sie überrascht uns mit der Erkenntnis (oder hält uns den Spiegel vor?), dass sich all “die Frauen, die zum Friseur gehen, verändern wollen. Aber wenn man sich verändern will, muss man das ja von innen tun!“. Sie charakterisiert Lehrer als „Pauker, die aus Reden flugs Unterricht machen.“ Und sie fragt: „Wo ist der Sinn, wenn Haus, Essen und Trinken da sind?“
Da wir aber in einen Kurs für Erwachsenenbildung schauen, begleiten wir Rita zunächst auf ihrem Weg in der Auseinandersetzung mit Aufgabenstellungen wie „Objektivität“, „Disziplin“,  „Verbindungen schaffen“ oder auch der Aufforderung „Ritus, Rita!“. Dass Frank ihr nahelegt: „Sie müssen Ihre Ursprünglichkeit abstellen, Rita!“, hinterfragt der Zuschauer aber bereits in eben diesem Augenblick. Denn man spürt alsbald, dass Rita Frank eines voraus hat: das reale Leben.
Annika Stöver als Rita
Ihre Kenntnis der Welt bringt sie ein in die zu erstellenden Aufsätze, in die Gespräche rund um die Sommerseminare, in ihre Gegenfragen an „fadenscheinig, Zeug labernde“ Studenten.
Und den Zuschauer verwundert es mittlerweile keineswegs mehr, dass Rita an Franks Schreibtisch sitzt. Passt sie da nicht eigentlich schon die ganze Zeit hin?
Und doch fremdelt sie. Sie fremdelt mit dieser anderen Welt, jener Welt, in der Bildung so selbstverständlich scheint und Bücher nicht gleich Bücher, sondern Literatur sind. Sie fühlt sich als „Halbblut“, „im Niemandsland“ und traut sich nicht, welch´ schöne Metapher!, der Einladung in das Haus zu folgen, in der die Belesenen, scheinbar Wissenden um den hell erleuchteten Tisch sitzen.
Aber Rita geht. Ihren Weg. Wohin? Lassen wir Rita sprechen:
„Ich hatte eine Wahl. Und ich habe mich gewählt!“
Willy Russels Komödie ist brandaktuell und bittersüß. Und sie gehört als Diskussionsstoff in die bzw. vor die Schulklassen. Und dies bitte in dieser Besetzung : Annika Stöver als Rita und Friedo Stucke als Frank! Ihre Dialoge und ihr Spiel fliegen in einer Leichtigkeit und Authentizität durch den Raum, dass sich der Zuschauer nah dran und mittendrin fühlt.  Lachen und Nachdenklichkeit werden von den beiden Schauspielern provoziert wie aufgefangen. Nichts, aber auch gar nichts von diesen würzigen Dialogen möchte man verpassen. Und so wird jede Minute dieses Abends kostbar, stundenlang.
Ach, und zum Schluss noch eins … „Kritik, Rita, ist nie subjektiv!“, sagt zumindest Frank. Nun ja …
Ich sage: Danke! Und empfehle:

Man kann die 53. Ausgabe von GEO Wissen lesen („Was gibt dem Leben Sinn“). Man kann aber auch ins Theater gehen. Gehen Sie ins Theater! Haben Sie in „Bildung für Rita“ ihre eigene „Affäre mit Bildung“. Sie dürfen sich wiedererkennen oder auch wieder erkennen.

Nächste Vorstellung ist in Stotel am 11.Oktober 2014 um 20:00. Hier geht es zu den Tickets

Dienstag, 3. Juni 2014

BND will Kontrolle ausweiten

Die Begriffe die unsere Welt sehr dominant regeln sind Angst und Kontrolle. Das steht im Widerspruch zu einer christlichen und /oder religiös geprägten Gesellschaft und vor allem im Widerspruch zu einer zivilisierten Gesellschaft. Unser aller gesellschaftliches Miteinander ist an einem Punkt angelangt der einem Scheitern gleich kommt. Besonders die allgegenwärtige Kontrolle ist ein Beweis für Misstrauen und Barbarentum, die macht des Stärkeren zählt. Daher muss man, abgesehen von rechtlichen Regelungen die in einem rechtsstaatlichen Gefüge unerlässlich sind, überlegen, wer aus welchem Grund so ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Kontrolle hat. Kontrolle ist der Ersatz für Vertrauen. Kontrolle hat einen wesentlichen Nachteil; man erreicht nichts in der eigentlichen Sache. Denn Kontrolle kann immer erst geschehen wenn etwas vorbei ist. Das Wetter zum Beispiel können wir in der Form kontrollieren in dem wir die Daten erfassen und archivieren. Aber wir können das Wetter in der Zukunft nicht kontrollieren. Das können wir nur spekulieren. Zwar auf Grund der gesammelten Daten und deren Auswertung. Aber niemand wird eine Garantie für das Wetter von morgen geben. Und so verhält es sich mit allem was wir kontrollieren. Wir werden zu Spezialisten im spekulieren - im Kaffesatz lesen. Genauso gut könnten wir aber auch auf unsere Erfahrung vertrauen, und auf die Schlüsse die wir daraus ziehen. Wir tun das nicht, weil es einige in der Menschheit gibt die viel verlieren können bei den großen Risiken die sie eingehen. Deswegen kontrolliert man das Wetter, damit z.B. wirtschaftliche Schäden gering gehalten werden könnten, und damit sich Menschen möglichst rechtzeitig in Sicherheit bringen können. Letzteres wird gerne vernachlässigt, hingegen ersteres möglichst immer eingehalten wird. Dabei ist das Risiko genau umgekehrt vorhanden. Wenn ein großes wirtschaftliches Risiko zu einem großen Fehlschlag wird, dann ist letztendlich nur Geldwert verschwunden. Doch wenn die kleinen Risiken im menschlichen Einzelfall mit der gleichen Härte getroffen werden, ist gleich die komplette Existenz erschüttert oder gar vernichtet. Somit dient die Kontrolle der breiten Bevölkerung überhaupt nichts.
Aber nicht nur unser Wetter wird kontrolliert. Es gibt viel weniger wichtige Bereiche in unser aller Leben die kontrolliert und auf Grund der Erkenntnisse für die Zukunft geregelt werden. So wird z. B. beim Einkauf in Supermärkten über die Payback- und anderen Kundenkarten ein Einkaufsprofil erstellt. Daraus resultieren dann die Produkt Angebote und die Werbung. Facebook hat hier lediglich alte Strukturen auf das WWW übertragen. Dieses Vorgehen verhindert aber Innovation, weil die Kundschaft mit Produkten gefüttert wird die sie gewohnheitsmäßig in der Vergangenheit bezogen hat. Innovation wird so weit kastriert, dass neue Produkte dem Schema aus der Kontrolle entsprechen. Doch das ist keine Innovation, das ist Inzucht. Kontrolle führt dazu, dass wir verlernen mit Risiken umzugehen. Kontrolle führt aber keineswegs zu einer sicheren Welt in der es keine Risiken und Krisen gibt. Und tatsächlich sind wir weltweit nicht in der Lage für die mannigfaltigen Krisen die eine oder andere nachhaltige Lösung zu finden. Wir als Menschheit sind geistig so verarmt, dass wir nicht den Mut haben, und vielleicht auch nicht mehr die Kraft, um Lösungen zu finden die ausserhalb unserer Werteparameter liegen. Wir lehren in den Schulen unsere Kinder wie sie die Vergangenheit kontrollieren, aber nicht die Fähigkeit mit unvorhergesehenen Situationen umzugehen. Das geschieht bestenfalls in militärischen Eliteeinheiten. Die jüngst angekündigten Überwachungsmassnahmen der sozialen Netzwerke in Echtzeit ist ein weiteres Beispiel dafür, dass noch immer kein Umdenken bei den verantwortlichen Menschen in der Politik begonnen hat. Erschütternd ist dabei der Gedanke, dass wir derzeit von so genannten zivilisierten Christen und angeblichen Sozialisten regiert werden.

Mittwoch, 14. Mai 2014

Direktor Veit Görner tritt in den Ruhestand

Veit Görner
Pressemitteilung der Kestnergesellschaft
(Hannover) Der Direktor der Kestnergesellschaft Dr. Veit Görner tritt zum Jahresende in den Ruhestand. Dies gab der erste Vorstandsvorsitzende der Kestnergesellschaft Uwe Reuter im Rahmen der jährlichen Mitgliederversammlung bekannt. In den elf Jahren als Leiter der Kestnergesellschaft hat Görner nicht nur zahlreiche Ausstellungen internationaler KünstlerInnen betreut, sondern auch die Organisation der Kestnergesellschaft entschieden weiterentwickelt.
„Diesen Schritt hat Veit Görner langfristig geplant und mit dem Vorstand abgestimmt, so dass ausreichend Zeit ist, einen entsprechend exzellenten Nachfolger bzw. Nachfolgerin zu finden, der bzw. die die Entwicklung der Kestnergesellschaft genauso erfolgreich vorantreiben wird wie die Vorgänger“ sagt Vorstandsvorsitzender Uwe Reuter.
Den Anfang machte Görner 2003 mit einer Einzelausstellung von Anton Corbijn. Darauf folgten unter anderem Peter Doig, Cindy Sherman, Fischli & Weiss (2004), Michel Majerus, Candida Höfer, Gilbert & George, Santiago Sierra (2005), Barbara Kruger und Thomas Hirschhorn (2006), Bruce Naumann (2007), Bettina Rheims (2008), Gert & Uwe Tobias, Phoebe Washburn (2009), David la Chapelle (2011), Tony Cragg, Alex Katz (2012) und Karla Black (2013). Auf Veit Görners Initiative geht auch das Ausstellungsprojekt »Made in Germany« zurück, das 2007 und 2012 in Kooperation mit dem Sprengel Museum Hannover und dem Kunstverein Hannover zum Besuchermagneten wurde.
Über die Kunstausstellungen hinaus wurden in der Zeit seines Direktorats vielfältige Veranstaltungsformate in den Räumen der Kestnergesellschaft etabliert, wie etwa die »kestnerkonzerte« und die »kestnerdialoge«. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf dem Ausbau der Kunstvermittlung, um Besuchern den Zugang zur zeitgenössischen Kunst zu erleichtern. So initiierte er die »kestnerkids«- Programme, die sich an Kinder verschiedener Altersstufen richten und die auch auf Englisch angeboten werden. In diesem Jahr richtete Görner zum ersten Mal eine Stelle für Kunstvermittlung ein um die Entwicklung neuer Vermittlungsformate zu fördern.
In seiner Zeit als Direktor erweiterte Veit Görner das Team der Kestnergesellschaft um Stellen für junge KuratorInnen, für Pressearbeit, für Marketing und zuletzt für Vermittlung. 2003 richtete er in der Kestnergesellschaft ein interdisziplinäres Praktikanten-Labor ein, in dem Studierende unterschiedlicher Fachbereiche wertvolle Berufserfahrung im Kulturbetrieb sammeln können. Die vom kestnerlabor selbstständig organisierte »kestnerschau«-Ausstellung findet mittlerweile in der 24. Auflage statt.
Der Vorstand der Kestnergesellschaft hat eine hochkarätige Findungskommission damit beauftragt, KandidatInnen für die Neubesetzung der Direktion vorzuschlagen. Zu der Kommission unter der Leitung von Friedhelm Haak gehören Karola Kraus (MUMOK, Wien), Max Hollein (Schirn Kunsthalle und Städelmuseum, Frankfurt), Bernhard Mendes Bürgi (Kunstmuseum Basel) und Udo Kittelmann (Nationalgalerie Berlin).

Veit Görner (*1953 in München) lebt in Hannover und Stuttgart. Er hat in Tübingen Sozial- und Erziehungswissenschaften und in Stuttgart Kunstgeschichte studiert. 2005 promovierte er an der HBK Braunschweig, das Thema seiner Dissertation war »Der Betrachter als Akteur – Partizipationsmodelle in der frühen Kunst des 20. Jahrhunderts«. Er ist seit 1984 als Kurator für zeitgenössische Kunst tätig, unter anderem für das Künstlerhaus Stuttgart, dessen Direktor er von 1987 bis 1990 war. Von 1995 bis zu seinem Wechsel an die Kestnergesellschaft war Veit Görner Kurator am Kunstmuseum Wolfsburg.

Dienstag, 29. April 2014

Früh-Sommer-Theater im Kulturzentrum Alte Schule Stotel

(StotelVon Mai bis August veranstaltet Theater Spielorte e.V. zwölf Wochen lang ein vielfältiges Programm. Aus dem Repertoire des Vereins zeigt der Verein „Tucholsky-Reloaded“, „Die-Vagina-Monologe“ und „Zuhause“, so wie eine neue Inszenierung und viele Gastspiele im Kulturzentrum Alte Schule Stotel. Den Auftakt macht am Donnertag, 15. Mai eine Literatur-Show mit Texten von Kurt Tucholsky, die der Vereinsgründer und Regisseur Friedo Stucke selbst vortragen wird. Mit über 30 Aufführungen sorgt Theater Spielorte e.V. den frühen Sommer über bis zum Ferienbeginn für ein Theater Programm mit viel Abwechslung in Stotel. Ein besonderes Highlight ist die Premiere der Komödie „Bildung für Rita“ von Willy Russell am 11. Juli. Karten für alle Vorstellungen sind ab sofort bei den unten aufgeführten Vorverkaufstellen zu erhalten. Telefonische Reservierungen sind ab sofort möglich unter 0171-333 54 96. Den ausführlichen Spielplan finden Interessierte unter www.theaterspielorteev.blogspot.com. Der Eintritt beträgt 14 €/erm. 10 €. Erhältlich sind die Eintrittskarten bei Waffen-Pülschen in der Wesermünder Str. 21, Loxstedt-Stinstedt, bei der Post-Filiale Anja Schoolmann in der Bahnhofstr. 24, Loxstedt oder im Antiquariat eigene.werte in der Buchtstr. 51, Bremerhaven-Geestemünde. Auch an der Abendkasse können Kurzentschlossene noch Eintrittskarten erwerben.

Theater Spielorte e.V. ist ein Verein ohne feste Spielstätte. Begründer Friedo Stucke wohnt in Wanna, LK Cuxhaven und tourt mit seinen Stücken und dem jungen Ensemble durch Niedersachsen und Bremen. Vor sechs Jahren gründete er Theater Spielorte e.V. mit dem Ziel, sensible Themen auf professionellem Niveau zu produzieren. Dabei stellt er sich der künstlerischen Herausforderung - Unterhaltung und Nachdenkliches in Balance zu halten. 



Donnerstag, 10. April 2014

Feininger und Kunitzberger - Abstraktionen der Wahrnehmung



Lyonel Feininger Schwarze Welle
(Emden) Die Kunsthalle Emden zeigt noch bis zum 11. Mai zwei Ausstellungen mit Werken von Lyonel Feininger und Hanns Kunitzberger. Vom Bauhaus-Künstler Feininger sind Werke ausgestellt die die Verbindung von Holzschnitt und Gemälde seines Schaffens zeigen. Scharfe Kanten, klare Formen und gegenständlich. Kunitzberger zeigt Bilder die den Grenzbereich von Gegenständen darstellen. Gegensätze? Nicht unbedingt. Beiden loten ihre Motive aus wie sie darzustellen seien.

„Das Geräusch von der bewegten See ist eine stete Begleitung, hinter den Dünen, und man hat das Gefühl, daß das Meer ein riesiges Lebewesen ist, das irgendwie für Abwechslung schon sorgen wird, wenn’s auch noch so trübes Wetter ist.“  L. F. aus Deep, 22. Juni 1928
Lyonel Feiniger - Gelmeroda 1920
Lyonel Charles Adrian Feininger wurde 1871 in New York geboren und starb dort 1956. Bevor erzu Holzschnitt und Malerei kam, war er als Karikaturist für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften tätig. Wie in einem großen Schaffensrausch fertigte er in wenigen Jahren 320 Holzschnitte an. Von 1918 bis 1920 entstanden nahezu alle bedeutenden Drucke, die er nahezu alle selber herstellte. Die Technik des Holzschnitts lernte er autodidaktisch vermutlich angeregt durch seine Freunde Karl Schmidt-Rottluff und Erich Heckel.
Immer wieder zieht er in die Gegend von Weimar, und immer wieder sind es die Motive der umliegenden Ortschaften: Gelmeroda, Niedergrunstedt, Possendorf, Zottelstedt u.a. Von der Kirche in Gelmeroda gibt es eine ganze Reihe Holzschnitte und Gemälde. In der Ausstellung kann man sehr schön nachvollziehen wie sich Feininger diesem Motiv nähert, es verändert und wie der Einfluss auf seine Malerei entsteht. Die Ausstellung stellt 60 Arbeiten auf Papier elf Gemälden gegenüber und macht Feiningers künstlerische Entwicklung augenfällig.
Lyonel Feininger - Ober-Reissen
Stets war das reale Naturbild Feiningers Inspiration. Jedoch wollte er das Gegenständliche in seiner Kunst nicht einfach wirklichkeitsgetreu abbilden. Vom Kubismus beeinflusst, setzte er das Seherlebnis durch geometrisch-kristalliner und abstrahierter Formen in Schwarz-Weiß-Kontrasten zusammen. Während die 1918 entstandenen Blätter überwiegend durch klare Helldunkel-Kontraste und eine dramatische Expressivität gekennzeichnet sind, zeugen die 1920 geschnittenen Motive oft von einer atmosphärisch beruhigten, lichtdurchfluteten Konstruktion.

Hanns Kunitzberger - Atelier
„Das Sichtbare ist nie der Gegenstand selbst, sondern immer nur seine Grenze.“ Hanns Kunitzberger
Durch den Physker Fritjof Capra wissen wir, dass die Gegenstände unserer Wahrnehmung im engeren Sinn Illusionen sind. Hanns Kunitzberger, auch ein Österreicher, 16 Jahre später geboren, im Jahre 1955, hat diese Illusionen auf Leinwand gebracht. Als man im Mittelalter die dritte Dimension in der Malerei entdeckte war das revolutionär. Mit dem sfumato Da Vincis verschmolzen die Übergänge zu einer Atmosphäre. Die Bilder Kunitzbergers haben Tiefe ohne geometrische Linien, und zeigen eine Atmosphäre die lebt und atmet. Es scheint als hätte er auch die nächste Dimension mit Farbe auftragen können, die der Zeit.
Die Formate sind meist groß. Auch wenn Gegenstände als Ausgangspunkt/Motiv gedient haben ist davon nichts mehr zu erkenne. Man muss sich von den Vorstellungen verabschieden wie wir Gegenstände wahrnehmen. Die Eigenschaften mit denen man sie beschreibt fassen nicht mehr. Die Bilder sind Farbnebel die in vielen vielen Schichten aufgetragen werden. Sie bilden eine Reflektionsfläche für den Betrachter über sein Verhältnis zu den Dingen.
Weitere Informationen: www.kunsthalle-emden.de