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Montag, 8. November 2010

Pressestimmen zum Buch „acting die ersten sechs Schritte“

Theater der Zeit  (Sept. 2001 von Volker Ranisch)
Klassischer Auftakt.  Eine junge Dame meint, zur Bühne zu müssen.  Sie sucht den Rat eines Meisters.  Der allerdings zweifelt an der Aufrichtigkeit ihres Vorhabens.  Und weil sie das hartnäckig ignoriert, bleibt ihm keine andere Wahl, als sie der Lüge zu überführen.  Für die entlarvte Schwindlerin bricht eine Welt zusammen, als „aus ihrem Auge eine große, echte Träne rollt“.  Davon ist das mürrische Rauhbein dann aber doch wieder „tief berührt“.  Unvermittelt wechselt der bislang kühle Prediger zum vertrauten Du und erteilt ihr die erste Lektion.  O goldige Zeit!  Bereits hier wird klar, das kann nicht heute passiert sein, wo verzweifelte Schauspieler versuchen, Intendanten wie Thomas Langhoff mit einem Gewehr zu einem Engagement zu zwingen.  (Später stellte sich sogar heraus, das Gewehr war eine Attrappe.  Hätte es der Schauspieler doch mit einer echten Träne versucht.  Oder wenigstens mit einer echten Waffe.)  Unsere Geschichte spielt also in New York vor gut siebzig Jahren.  Der Verfasser der sechs in Dialogform geschriebenen Essays hatte seine Zeit am Moskauer Künstlertheater bereits hinter sich, leitete das American Laboratory Theatre und führte Regie am Broadway sowie in Hollywood.
Boleslawskis schauspielmethodischer Ansatz ist erfrischend einfach: „Zuerst genau zu wissen, was zu tun ist, und dann genau das zu tun – das ist alles.“  Und tatsächlich gelingt ihm das.  Nur: der Teufel steckt im Detail.  So konzentriert er sich während des ersten Schrittes ausführlich auf wahrhaftige Sinneswahrnehmung, und das ist nicht wenig.  Dann zählt er aber recht lieblos und mit gnadenloser Vollständigkeit alle anderen Anforderungen an einen, seinen Schauspieler auf.  Das schreckt ab; besonders Menschen, die am Beginn eines Weges stehen, zumal es für dieses Ideal in der Realität keine lebende Entsprechung gibt, an der sie sich orientieren könnten.  Bezeichnenderweise bekommt Boleslawski an dieser Stelle (und nun Gottsei Dank zum letzten Mal) wieder den eingangs erwähnten missionarischen Tonfall.  Rilke lässt in den „Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“ seinen Protagonisten über das Verfassen von Versen sinnieren.  Seine Sprache erzählt dabei etwas von der lustvollen Qual dieses Prozesses.  Immer wenn Boleslawski Ähnliches gelingt (und es gelingt ihm jetzt immer öfter), also einen Ausdruck für seine Lust an der Arbeit zu finden, kann auch ein interessierter Anfänger etwas von der Schönheit der Schauspielerei empfinden.  Dann wird das Theater zu dem „Mysterium, das auf wunderbare Weise zwei ewige Phänomene vereint: den Traum von der Vollkommenheit und den Traum der Ewigkeit“.  Wenn wir die Gedanken dieses alten Mannes lesen, der seiner Kollegin bei der Arbeit zuschaut, werden sie in ihrer Intimität zu einer Liebesgeschichte, wie es sie nur im Theater geben kann.  Das methodische Anliegen kommt dabei keineswegs zu kurz.  Im Gegenteil.  Selten habe ich so klare Gedanken über das heikle Thema der Gefühle auf der Bühne gelesen, über das „zu sein“ und wie es mit dem „zu tun“ zusammenhängt.  Doch ich behaupte, obwohl nicht neu, dieser Ansatz ist in seiner Ganzheit nur mit ausreichender Praxis zu verstehen.  Insofern ist auch der Untertitel „die ersten sechs Schritte“ erst mal eine falsche Fährte.
Boleslawski aber ist Pragmatiker.  Er hat zwischen die einzelnen Lektionen zum Teil Jahre gelegt.  Das Buch befasst sich also mit konkreten Problemen, mit denen ein Schauspieler, dessen Entwicklung in den meisten Fällen ja erst nach dem Studium wirklich beginnt, mehr als einmal konfrontiert wird.  Das macht es wesentlich und unabhängig vom Zeitgeist.  Es ist ein in sich geschlossenes und nach außen hin offenes System.  Deshalb lässt es sich auch ohne weiteres mit anderen methodischen Ansätzen kombinieren.  Für Schauspieler hält es damit eine Fülle von praktischen Erfahrungen parat.
Süddeutsche Zeitung  (Juli 2001, göt)
Ein Schauspieler-Handbuch, das als love story daherkommt.  Richard Boleslawski, Broadway- und Hollywood-Regisseur, erzählt von den „ersten sechs Schritten“ auf dem Weg zur wahren Schauspielkunst, die er im Jahr 1933 mit einem „Geschöpf“ unternahm, das eines Tages in sein Büro platzte.  Eine 18-Jährige, die ein wenig chaotisch und flatterhaft erscheint, aber doch die ernsthaftesten Absichten hat und sich lange aufrichtig bemüht.  (acting die ersten sechs Schritte. Übersetzt von Uta Pongratz.  Verlag eigene werte, 21776 Wanna, eigene.werte@t-online.de, 168 S. 13,50€.
Boleslawski – er hat mit Stanislawski gearbeitet und mit Marlene Dietrich gedreht – nimmt „das Geschöpf“ mit auf Spaziergänge, entwickelt eine sardonisch-sokratische Methode, in der Verunsicherung, Trost und Anekdotisches sich abwechseln.  Das Leben spielt immer mit, es heißt die Augen und Ohren aufsperren, damit man seinen Rhythmus findet.  Der Körper muss gebildet und der Intellekt trainiert werden, und dann muss der Akteur sich schließlich der Seele widmen: „Eine Seele, die ihn befähigt, bei seiner ersten Willensanstrengung jede geforderte Handlung und Veränderung durchzuführen“
Man spürt, was Boleslawski meint, wenn er das Theater zum Mysterium erklärt.  Der Traum von Vollkommenheit und von Ewigkeit – gerade in Amerika ist er noch einmal richtig ernst genommen, praktisch interpretiert worden.  Einmal bringt Boleslawski das Beispiel des kleinen Jungen, der sich fest vorgenommen hatte, dass er eines Tages fliegen werde – Charles Lindbergh.
Wie soll ich vor der Filmkamera zur Geschlossenheit der Darstellung finden, klagt das Geschöpf.  Dafür gibt es eine Lösung von kleistischer Klarheit: „Deine Szene bzw. deine Rolle ist ein lange Perlenkette – Perlen der Handlung.  Du spielst mit ihr, wie du mit einem Rosenkranz spielst.  Du kannst überall anfangen, zu jeder Zeit und so weit gehen wie du möchtest, wenn du die Perlen an sich gut im Griff hast.“Bremerhaven Kurier Stadt und Land
Bremerhavener Kurier Stadt und Land  (Juni 2001, kla)
[…] Neu auf dem Markt ist […] das Buch „acting die ersten sechs Schritte“, erschienen in dem neuen Verlag eigene werte in Wanna im Kreis Cuxhaven (ISBN 3-934080-00-6).  Der 1889 in Warschau geborene und 1937 in Los Angeles verstorbene Richard Boleslawski hat in dem 168-seitigen Buch den Kern des Schauspielens beschrieben.  Er unterteilt seine Arbeit n diese Punkte: Konzentration, Emotionales Gedächtnis, Dramatische Handlung, Charakterisierung, Beobachtung und Rhythmus.  Diese Einzelnen Schritte werden erzählt, indem uns der ehemalige Regisseur und Hollywood-Mime Boleslawski an den Unterrichtsstunden seiner Schülerin „Das Geschöpf“ teilhaben lässt.  
Das Werk bietet die Grundlage für Schauspieler, die ihr Handwerk als Kunst verstanden wissen wollen.  Gedacht ist es aber auch für Theatergänger, die sich ein tieferes Verständnis vom Schauspielen wünschen.  Die Schauspielerin Uta Pongratz übersetzte das Buch ins Deutsche.  Sie ergänzte den Originaltext durch ein Glossar, in dem wichtige Namen und Begriffe erläutert werden.

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